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Glauben ist…

ANSPRACHE ZUM 2. SONNTAG DER OSTERZEIT – LESEJAHR A
(SONNTAG, 3. APRIL 2005)

Liebe Schwestern und Brüder!

Das heutige Evangelium dürfte uns allen sehr sympathisch sein, denn im Zweifler Thomas finden wir uns in so mancherlei Lebenssituation wieder.

Wer von uns nimmt denn alles vertrauensselig hin. wer glaubt schon alles. Und dann – Zweifel hat doch wohl nichts mit Unglaube zu tun. Und so einfach geht das auch nicht, indem man einfach sagt: „Wir haben den Herrn gesehen.“ – Das mag zwar sein. Aber könnten wir ihn hören, sehen, ja fühlen, das wäre schon etwas anderes.

Wenn wir fühlen können, wenn wir mit Händen greifen können, wenn wir begreifen können, dass er – Jesus Christus – lebt, dann werden auch wir glauben.

Und ist es in unserem Leben nicht oft so, dass doch alles zu schnell, zu glatt geht – ebenso wie die Auferstehung? Und dann kommt er, öffnet die Tür und sagt: „Der Friede sei mit euch!“

Wenn das heute so wäre, dann würden auch wir staunend bekennen: „Mein Herr und mein Gott!“

Geht es aber darum im heutigen Evangelium? Geht es darum nur durch das Sehen – ohne Glauben zu Jesus Christus zu gelangen? Sicherlich nicht!

Ein Satz gegen Ende des heutigen Evangeliums gibt wohl hier eine Antwort, wenn es dort heißt: „DIES IST AUFGESCHRIEBEN, DAMIT IHR GLAUBT, DASS JESUS DER MESSIAS IST.“

Es geht also doch um den Glauben. – Auch wenn die genannten Zweifel möglich, vielleicht manchmal sogar gut sind.

Und genau diese Geschichte vom Zweifler Thomas ließ mich mal wieder darüber nachdenken, WAS DENN EIGENTLICH DER GLAUBE IST, WAS UNSEREN GLAUBEN AUSMACHT.

Und da fiel mir eine Stelle aus dem Hebräerbrief dazu ein, die da heißt: „GLAUBEN IST FESTSTEHEN IN DEM WAS MAN ERHOFFT, ÜBERZEUGT SEIN VON DINGEN, DIE MAN NICHT SIEHT.“ (HEBR 11,1)

Und zu diesem Satz möchte ich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen: „Eines Nachts brach in einem Haus ein Brand aus. Während die Flammen empor loderten, stürzten Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt stellten sie fest, der Jüngste der Familie fehlt – der Fünfjährige. Keine Möglichkeit ihn zu retten, da öffnet sich oben ein Fenster, der Junge ruft um Hilfe. Sein Vater sieht ihn und ruft: ‚Spring!’ Der Junge ruft zurück und meint: ‚Vater, ich sehe dich nicht!’ Und der Vater schreit ihm zu: ‚Aber ich sehe dich, und das genügt, spring!’ Der Junge sprang und fand sich heil und gesund in den bergenden Armen seines Vaters.“

„GLAUBEN IST FESTSTEHEN IN DEM, WAS MAN ERHOFFT.“ – Der kleine Junge glaubte seinem Vater und hofft, dass er tatsächlich unten stand, um ihn aufzufangen.

GLAUBEN IST ÜBERZEUGT SEIN VON DINGEN, DIE MAN NICHT SIEHT.“ – Der kleine Junge sah seinen Vater nicht – aber er sprang dennoch!

Können wir das heute noch – gleich dem fünfjährigen Jungen – so recht glauben – in einer Welt, die im Umbruch begriffen ist. Oder geht es uns eher wie dem Zweifler Thomas, dass wir erst sehen müssen, um zu glauben?

Ja – ich hoffe es, dass wir es noch können – glauben. Und warum? Weil Glaube auch etwas mit Aufbruch – mit Neuaufbruch zu tun hat.

Wie viele große Gestalten unseres Glaubens haben uns den Aufbruch vorgemacht: Abraham, Mose und so viele mehr.

Schließlich hat unser verstorbener PAPST JOHANNES PAUL II. VON DIESEM AUFBRUCH gesprochen, wenn er am 18. November auf dem Fuldaer Domplatz von Bonifatius gesprochen hat und uns daran erinnerte, dass mit ihm die Geschichte des Christentums begonnen hat. Und wörtlich fuhr er fort: „VIELE SAGEN, DIESE GESCHICHTE NEIGE SICH JETZT IHREM ENDE ZU. ICH SAGE EUCH: DIESE GESCHICHTE DES CHRISTENTUMS IN EUREM LAND SOLL JETZT NEU BEGINNEN, UND ZWAR DURCH EUCH, DURCH EUER IM GEIST DES HEILIGEN BONIFATIUS GEFORMTES ZEUGNIS!“

Und er ermutigt uns zu einem Neuaufbruch, wenn er uns zuruft: „RUHT NICHT AUS AUF DEM ERREICHTEN, SONDERN WAGT MUTIG WIE BONIFATIUS DEN ANFANG. […] IHR SEID MITVERANTWORTLICH FÜR DIE ZUKUNFT UNSERER KIRCHE…“

DARÜBER HINAUS TRÄGT ER UNS VIER DINGE AUF: 1. DIE EINHEIT DER KIRCHE und der Gemeinden. – 2. SAGTE ER UNS „SEID HEILIG! Ja, heiligt Euer eigenes Leben und haltet in Eurer Mitte den gegenwärtig, der allein heilig ist.“ – 3. MEINT ER „SEID KATHOLISCH, ALLUMFASSEND, OFFEN WELTWEIT. […] Schließt Euch nicht in den eigenen Sorgen und Problemen ein. Euer Einsatz … ist gefordert, damit der neue Anfang gelingt.“
UND 4. SAGT ER „SEID SCHLIEßLICH APOSTEL, ZEUGEN DES GLAUBENS.“

Und er schließt seine Predigt wenn er sagt: „Was können wir Euch mehr wünschen […] der gegenwärtigen christlichen Generation auf deutschem Boden? Dass die nachfolgenden Generationen den Glauben an den Bund bewahren.

ZU DIESEM GLAUBEN MUSS SICH NUR EIN TIEFES VERTRAUEN GESELLEN. Ein Vertrauen, das Vertrautes loslässt, ein Vertrauen, das zulässt, dass man sich auf Neues einlässt.

Machen wir es uns am heutigen Sonntag erneut bewusst: Gott möchte sein durch dich und mich, durch seine Menschen hindurch möchte er wirken. Gott handelt in der Welt durch uns alle.

Wir reden alle von den Ängsten der Zukunft und ich wage zu sagen: Glauben schafft Zukunft. Zwar kann der Glaube nicht gemacht werden, er kann nicht gekauft werden oder auf Rezept verschrieben werden. Aber er kann von Gott geschenkt werden, wenn wir ihn erbeten und erbitten.

Überprüfen wir uns doch selbst: Wie oft haben wir schon die Bitte formuliert: „Herr, hilf meinem Unglauben!“ – Zehnmal, fünfmal oder vielleicht noch weniger? – Sollten wir nicht immer und immer wieder darum bitten?

Erbitten wir den Glauben von Gott und zwar von einem Gott, der nicht in der Ferne thront, sondern tagtäglich in unser Leben eingreift.

Wenn er nämlich Realität in unserem Leben ist, dann sind keine Zweifel nötig, dann können wir nämlich vertrauensvoll sagen: „Wir stehen fest in dem was wir erhoffen, wir sind überzeugt von Dingen, die wir nicht sehen.“ Dann hat unser Glaube Bestand, trotz mancher Zweifel, die dennoch kommen können!

(Pfarrer Rudolf Liebig, Sankt Antonius, Künzell).

Predigt zum direkten Ausdruck (PDF-Format)

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