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Gott begegnen

ANSPRACHE ZUM 3. SONNTAG DER OSTERZEIT – LESEJAHR A
(SONNTAG, 10. APRIL 2005)

Liebe Schwestern und Brüder!

I. Die beiden Emmausjünger sind eigentlich zu beneiden. Sie sind dem Auferstandenen begegnet. Sie haben dadurch die Gewissheit erhalten: Er lebt! Und nicht nur das: Sie wurden von ihm auch unterwiesen und verstanden, dass sein Tod nicht sinnlos war. Diese Begegnung war für sie unvergesslich.

Können wir auch heute noch dem Auferstandenen auf ähnliche Weise begegnen? Wie kann eine solche Begegnung geschehen? Dieser Frage möchte ich heute ein wenig nachgehen.

II. Die Evangelien berichten von mehreren Erscheinungen des Auferstandenen.

  • Da waren Maria Magdalena und die andere Maria, die in der Morgenfrühe zum Grab kamen, sie sprachen darüber, wer ihnen wohl den schweren Stein vom Grab wegwälzen würde. Auf eine Begegnung mit Jesus waren sie nicht gefasst.
  • Die Emmausjünger waren auf dem Heimweg und sprachen unterwegs über all das, was sich ereignet hatte. Auch sie rechneten nicht mit einer Begegnung mit dem Auferstandenen.
  • Und schließlich die heutige Begegnung im Evangelium. Jesus erscheint dem Petrus und seinen Begleitern am See Genezareth. Sie waren beim Fischfang und hatten in der Nacht nichts gefangen. Am Ufer begegneten sie einem Unbekannten. Und er weist sie an, das Netz auf der rechten Seite auszuwerfen. Sie folgten ihm und machten den FANG DES LEBENS und erkannten ihn: ES IST DER HERR!
  • III. Auch wenn es ganz unterschiedliche Begegnungen sind. Eines ist allen drei Begegnungen gleich. KEINER RECHNETE MIT DER BEGEGNUNG. UND SO IST DAS AUCH IN UNSEREM LEBEN. GOTT GREIFT EIN IN UNSER LEBEN UND WIR RECHNEN NICHT DAMIT. Da ereignet sich durch eine Krankheit eine wunderbare Führung. Es stellt sich einfach nach der Krankheit heraus, dass mein Leben eine bessere Wendung nimmt als gedacht. Und ich merke, das habe ich nicht selber gemacht.

    Da ist ein junger Mann, der durch den plötzlichen tragischen Tod seines Bruders wieder zur Kirche findet. Und er sagt mir: „Herr Pfarrer, der Tod meines Bruders war für mich eine Spur vom lieben Gott.“ Heute ist der junge Mann im kirchlichen Dienst.

    Schauen wir doch einmal genauer in unser Leben. Wir können an vielen Eckpunkten einen roten Faden entdecken, der einem sagt: „Hier bin ich Gott begegnet.“

    IV. Und ein Zweites ist wichtig: SIE HATTEN AUF JESUS GEHOFFT UND SEIN TOD BEWEGTE SIE. Tod bewegt. Das haben wir in der vergangenen Woche beim Sterben und der Beisetzung unseres Hl. Vaters erleben dürfen. Warum sind sie zu ihm hin gepilgert? Weil sie in ihm Gott begegnet sind und damit einer großen Hoffnung begegnet sind.

    V. Und ein dritter Gedanke ist bei allen Begegnungen nach der Auferstehung von Bedeutung: SIE SPRACHEN MITEINANDER ÜBER ALL DAS, WAS SICH EREIGNET HATTE. Lukas sagt uns im Emmaus-Evangelium: „Sie tauschten miteinander ihre Gedanken aus.“ Das heißt doch – da hat nicht nur einer stetig geredet und ein anderer musste zuhören. Nein – es wurde miteinander geredet…

    Jesus hörte auf den anderen, auf seine Gedanken, Sorgen und Zweifel. Wenn Jesus einmal sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Hier wird dieses Wort besonders wahr, sehen wir darin auch für uns die Empfehlung über Gott, über unseren Glauben, unsere Zweifel und Sorgen miteinander zu sprechen. – Dort wo über den Glauben und Glaubenserfahrung miteinander geredet wird, dort kann Leben entstehen. Dort geht es weiter!

    Deshalb möchte ich Sie zu einem Dreifachen einladen:

  • Rechnen wir damit, dass uns Gott im Alltag in Zeichen, Dingen, die geschehen, begegnet.
  • Leben wir – ähnlich wie unser Hl. Vater – aus einer großen Hoffnung und
  • sprechen wir über das, was sich ereignet, über unseren Glauben und unsere Glaubenserfahrungen.
  • Wir nehmen den Segen auf diese Weise von dieser Feier gleichsam mit und werden selber zum Segen für Viele und Vieles. Dass uns das immer mehr gelingt wünsche ich uns allen.

    Amen.

    (Pfarrer Rudolf Liebig, Sankt Antonius, Künzell).

    Predigt im Druckformat (PDF)

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