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Glaubensseminar: Wegzehrung

Wegzehrung aus dem Glaubensseminar
„Eucharistiefeier“ – Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens
Fastenzeit 2005

von Katja Schmidt

In diesem Jahr wurde unsere St. Antonius-Gemeinde Künzell mit einem Glaubensseminar durch die sechs Wochen der Fastenzeit begleitet.

In den wöchentlich stattfindenden Abenden führten uns Pater Max Rademacher vom Kloster Frauenberg und unser Pfarrer Rudolf Liebig Schritt für Schritt durch den Ablauf der Messfeier bis hin zum Mittelpunkt und Geheimnis unseres Glaubens – der Eucharistie.

Neben Erläuterungen zu bestimmten Riten und ihren Bedeutungen machten wir uns auf mit dem Ziel, den Schatz der Eucharistie als Weg der Wandlung neu zu entdecken. Das Märchen der Kristallkugel führte uns unsere innere menschliche Zerissenheit bildlich vor Augen und es wurde deutlich, wie oberflächlich wir einander betrachten. Wir erkannten in der verwunschenen Prinzessin und ihrem Retter ein Stück von uns selbst und spürten wie gut es ist, dass Gott so anders ist. Er bleibt nicht vor unserer Fassade stehen, er be- und verurteilt uns nicht aufgrund irgendwelcher Äußerlichkeiten. In dem Spiegel, in dem er uns betrachtet, sind wir schön weil er das Gute in jedem einzelnen von uns sieht. In der heiligen Schrift bietet er uns an einen Blick in diesen Spiegel zu werfen, damit auch wir das Gute im anderen nicht übersehen und die verborgenen Möglichkeiten füreinander erfahrbar machen.

Unsere Weggefährten auf dieser eucharistischen Reise waren die beiden, uns so vertrauten Emmaus-Jünger, die eine Menge Reiseproviant in ihrem Gepäck bereit hielten. Es war, als ob ihr Fußmarsch von Emmaus nach Jerusalem unserem Lebensweg ähnelt. Auch wir zweifeln sehr schnell, wenn Gott unsere Lebenspläne und –ansichten durchkreuzt. Auch wir sind blind, wenn Gott nicht unserem Gottesbild entspricht, nicht in unsere Vorstellungen hineinpasst. Den beiden ging das damals nicht anders als uns heute. So, wie sie ihn nicht erkannten, als er mit ihnen unterwegs war und ihnen den Sinn der Schrift erschloss – so können auch wir seine leibhaftige Nähe in der Eucharistie oft nicht fühlen.

In der „communio“ gibt Jesus sich selbst hin um mit uns eins zu werden. Gott sehnt sich danach, sich durch ihn mit uns Menschen zu vereinigen. Wenn wir das glauben können, gehen uns heute – ähnlich wie den Emmaus-Jüngern damals – „die Augen auf“. Wir erkennen, dass Jesus uns alle in dem kleinen Stück Brot verbindet, das wir zusammengehören um zu- und miteinander aufzubrechen.

Und doch – darf in der Liebe Gottes alles sein. Meine ganz persönliche Beschämung, Angst, Trauer, Schuld darf ich in der Messe vor ihm offen legen. In der Wandlung kann ich ihm mit meiner ganzen Ohnmacht begegnen um mich von ihm wandeln zu lassen. Der Messias hat keine Berührungsängste. Er lässt mich nicht allein, geht mit mir in die Niederungen meines Lebens. Im Bußsakrament geht er mir entgegen, holt mich ab – ganz gleich wo ich gerade stehe. Durch das Gespräch wird den Emmaus-Jüngern der „Fremde“ vertraut. Nur, wenn ich den Dialog mit Gott suche, kann auch in mir Vertrauen zu ihm wachsen. Jesus drängt sich nicht auf, die Jünger laden ihn ein zu bleiben. Nur, wenn auch ich ihn einlade, bleibt er nicht der „sympathische Fremde“ und kann einen Weg zu meinem Herzen finden.

In den beiden liturgischen Nächten haben wir mit Jesus das Paschamahl gefeiert und ihn in den Garten Gethsemani begleitet. In diesen Stunden des Wachens und Betens war er so nah und mir klang der Satz aus dem Glaubensseminar im Ohr „wer sich für uns verwunden lässt, kann uns heilen“.

Aus dem „symphatischen Fremden“ wird ein Freund der mir eine ganz persönliche Frage stellt: „Liebst Du mich?“ Ich denke, ich sollte ihm die Antwort nicht länger schuldig bleiben.

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