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So wie du bist

Klara, das Lamm lebte mit seiner Familie in einer großen Schafherde, die mit einem Schäfer von Weide zu Weide zog.

In dieser Herde lebten ungefähr hundert Schafe, und alle sahen sie gleich aus, doch Klara war anders. Klara hatte seit ihrer Geburt ein schönes weißes Fell, doch nach zwei Wochen fand sie plötzlich eines Morgens schwarze Flecken darauf. Sie dachte, sie hätte sich beim Spielen schmutzig gemacht, also ging sie zum Bach, um sich zu waschen. Doch soviel sie auch schrubbte, die Flecken wollten nicht abgehen.

Klara war überrascht, doch es kümmerte sie nicht weiter. Doch als sie zur Herde zurück kam, merkte sie plötzlich, wie alle kicherten, als sie vorbei ging. Sie verkroch sich unter einem Busch und schämte sich. Ihre Geschwister und die anderen Lämmer der Herde liefen ihr nach und machten sich lustig über sie. Sie nannten sie „Fleckchen“, „Schmutzknäuel“ und gaben ihr noch viel schlimmere Namen.

Als es dunkel wurde, war Klara so verzweifelt, dass sie weglief. Einfach nur weg. Sie schaute nicht auf den Weg, sie achtete nicht darauf, wo sie hinlief, sie wollte nur weg.

Als es Morgen wurde, legte sie sich unter einen Baum, um zu schlafen. Nach einer Weile weckte sie eine Stimme, die nach ihr rief. Sie öffnete die Augen und sah ihre Mutter auf sich zukommen. Die Mutter rief: „Klara, mein Schatz, endlich habe ich dich gefunden! Ich habe mir ja solche Sorgen gemacht! Warum bist du denn weggelaufen?“

Klara antwortete: „Ach Mama, ich bin ja so traurig, sieh nur, diese schrecklichen schwarzen Flecken auf meinem Fell! Ich schäme mich so und alle lachen mich aus!“

Die Mutter tröstete Klara und erklärte ihr: „Meine liebe Klara! Du bist ein wunderschönes Lamm. Egal, was die anderen sagen, du bist so, wie du bist genau richtig! Der liebe Gott hat sich schon etwas dabei gedacht, als er dir die schwarzen Flecken gegeben hat! Das kannst du jetzt vielleicht noch nicht verstehen, aber irgendwann wirst du merken, dass es einen Grund dafür gibt.“

Sie kamen an einem Bauernhof vorbei. „Sieh mal Klara, der Ziegenbock da drüben, er hat nur ein Horn, kannst du es sehen? Und die Kuh auf der Wiese, sie hat einen großen Fleck am Auge. Und das Ferkel dort drüben, sieh nur, wie kugelrund es ist. Und sie alle leben fröhlich zusammen hier auf dem Hof, obwohl sie anders sind als die andern“, sagte die Mutter. „Wir haben übrigens einen neuen Schäfer. Er ist heute mit seiner Tochter angekommen. Sie sind beide sehr nett. Die Tochter heißt Saskia und sieht irgendwie krank aus. Ich glaube, es geht ihr nicht gut. Vielleicht gehen wir sie gleich mal besuchen?“

„Ja, das können wir machen, Mama.“ Und sie gingen zu dem Wohnwagen, in dem der Schäfer mit seiner Tochter wohnte.

Fortsetzung folgt.

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