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Zur Krippe kommet

Zur Krippe kommetWeltjugendtag in Köln: Damit alle Pilger ein Quartier finden, richtet der Bauer den Kuhstall her, und der Gärtner räumt sein Kühlhaus – Eine Busladung Christen im Kuhstall, das war die Idee der Bäuerin. Im Plausch mit dem Pastor versprach sie das Quartier. So wohnen die Litauer, vom Viehzeug beäugt. Hühner spazieren um die Pilgerherberge, Kälbchen drängeln sich am Weidezaun. Bauer Huber fürchtet, die Fremden könnten enttäuscht sein von solch ländlicher Schlichtheit. So müht er sich um Komfort im Detail. Zwischen die Stallpfosten möchte er noch Wäscheleinen spannen, »falls einer seine nassen Socken aufhängen will«. Er hat mit dem Jugendtagsbüro gefeilscht, bis es ihm drei Dixie-Klos zusagte statt des geplanten einen. Außerdem hat er einige Litauer aus dem Ort als Dolmetscher eingeladen. »An einem Abend feiern wir am Lagerfeuer auf der großen Weide.« Der Panoramablick soll die Pilger entschädigen für das Kuhdungaroma im Stall: Von der Wiese aus schauen sie über die Kölner Bucht, auf die Türme des Doms und die Dächer der Altstadt. […] »Die Pilger sollten ein bisschen tierlieb sein«, sagt Asmuth. Ansonsten hofft er auf gesprächige Jungchristen. »Wie sehen Gläubige aus aller Welt den Papst, Jungfrau Maria, die 68er – das möchte ich erfahren.« – Jakob Röllgen interessiert das weniger. Er hat extra um eine Busgruppe statt Einzelpilgern gebeten, »dann können die sich selbst beschäftigen«. Röllgen züchtet Zierpflanzen. Hunderttausende Dahlien und Geranien reihen sich in den Gewächshäusern seiner Gärtnerei in Köln-Weiler. »Wir bieten Dauergrabpflege« wirbt das Eingangsschild. Für den Katholikennachwuchs räumt Röllgen jetzt die Kühlhäuser leer. Winters lagern hier Narzissenzwiebeln, nächste Woche italienische Pilger – in vier Bauten gegenüber dem Erdbeerbeet. Blütenpollen umwölken das Christenlager. Nur Isomatten polstern den blank geputzten Beton. Kein Tageslicht dringt ins Kühlhausinnere. Die Gäste ruhen im Taschenlampenschein. Die kargen Zellen offenbaren, dass Bauer Hagen sich grundlos sorgt. Ein Bett im Kuhstall – das ist schon ein Komfortquartier. – (Quelle: Zeit.de)

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