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Meisner-Interview

“Es müssen mehr junge Leute zu Wort kommen”Joachim Kardinal Meisner, Gastgeber des 20. katholischen Weltjugendtages in Köln, über Papst Benedikt, die Jugend und die deutsche Bischofskonferenz – […] Ich werde den Weltjugendtag genießen und mich nicht von Angst bestimmen lassen. Letztlich ist ja der Herr selbst der Veranstalter, und deshalb sollte sich sein Bodenpersonal nicht allzu wichtig nehmen. Dieser Weltjugendtag ist im übrigen der erste, an dem zwei Päpste teilnehmen. Der eine von oben und der andere von unten. Das ist mir klar geworden, als ich vor der Bahre von Johannes Paul II. betete. Ich kam mir damals deprimiert und verlassen vor und sagte: “Heiliger Vater, nun läßt du mich allein zurück, du, der das Ganze in Bewegung gesetzt hat.” Er antwortete mir, so fühlte ich: “Wenn Heilige im Himmel sind, dann haben sie Möglichkeiten, die sie vorher nicht hatten. Du wirst dich wundern, was wir für einen Weltjugendtag in Köln zustande bringen werden.” Deshalb bin ich ganz gelassen. […] Schon jetzt scheint festzustehen, daß zum Weltjugendtag in Köln deutlich weniger Jugendliche kommen werden als im Jahr 2000 nach Rom. Hat das etwas mit dem Charisma des Vorgänger-Papstes Johannes Paul II. zu tun? – Kardinal Meisner: Sie dürfen das jetzt anstehende Kölner Ereignis nicht mit dem Weltjugendtag der Jahrtausendwende in Rom vergleichen. Aber unsere Zahlen sind nicht schlecht: Wir haben aus 193 Ländern bisher rund 400 000 angemeldete Dauerteilnehmer – das hat es vorher noch nie gegeben! […] Kommt die Ökumene nicht zu kurz bei diesem Weltjugendtreffen? Es hat bei der evangelischen Kirche Irritationen darüber gegeben, ob es überhaupt zu ökumenischen Begegnungen kommt. Bischof Huber fühlte sich persönlich übergangen. – Kardinal Meisner: Diese Verärgerung verstehe ich überhaupt nicht. Die Protestanten waren die ersten, die ich über das Programm informiert habe. Ich habe aber auch gesagt, das sei keine Veranstaltung des Erzbistums Köln, sondern eine des Papstes. Für den Weltjugendtag gibt es feste Regeln, an die wir uns halten müssen. Der Erzbischof hat diese Regeln umzusetzen. Es wird natürlich eine Begegnung des Papstes mit Vertretern der Ökumene geben, obwohl es sich nicht um einen Deutschland-Besuch des Papstes handelt. Der Heilige Vater kommt zur Jugend der Welt. So dürfen Einladungen nur ausgesprochen werden, wenn das Programm des Papstes offiziell veröffentlicht ist – und das haben wir danach sofort getan. – Welche Botschaft wird der Papst an die Jugend richten? – Kardinal Meisner: Ich bin mir ganz sicher, daß er genau das trifft, was die Jugend braucht. Papst Benedikt hat unlängst in einer Ansprache gesagt, wer der Jugend weniger gibt als Gott, gibt ihr zu wenig. Was mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, daß die ältere Generation die Jugend unter Generalverdacht stellt, um sich selber zu rechtfertigen. Man meint, die Jugendlichen hätten immer das Pillendöschen in der Tasche und die Jungs die Kondome. Die hören, so heißt es, jetzt zwar auf den Papst, aber das ist nur eine Masche. Hinterher sind die so wie wir. In Wirklichkeit wissen die Jugendlichen ganz genau, daß Drogen, Sex und Alkohol nur Auswege und Ersatzangebote sind. Ihre natürliche Sehnsucht nach dem Unendlichen, das Bedürfnis nach Religion, nach Rückbindung an etwas den Menschen Übergreifendes, an Gott, wird so nicht gestillt. […] – (Quelle: WamS.de)

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