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Deus caritas est

Benedikt über die Liebe: „Das Wort ,Liebe’ ist heute so verbraucht, abgenutzt und missbraucht, dass man fast fürchtet, es in den Mund zu nehmen“, sagte der Papst heute über seine erste Enzyklika. […] In der Enzyklika wolle er die „Menschlichkeit des Glaubens“ zeigen, „das ,Ja’ des Menschen zu seiner Körperlichkeit, die von Gott geschaffen ist, ein ,Ja’, das in der unauflöslichen Ehe zwischen Mann und Frau seine in der Schöpfung verwurzelte Form findet.“ Die Wandlung des „Eros“ in die „Agape“ sei ein weiteres Thema, erläuterte er. – Die Liebe zum andern suche hier nicht länger sich selbst, sondern wandelt sich in Sorge für den andern, ist bereit zum Opfer für den andern, und sie öffnet sich auch für das Geschenk neuen menschlichen Lebens. […] Die Enzyklika habe zwei Teile – einen theoretischen, der über das Wesen der Liebe spricht, und einen praktischen, der über die christliche Caritas spricht -, erklärte der Papst. Das Thema sei jedoch eines: „Mich hat genau die Einheit dieser beiden Themen interessiert, die nur dann gut verstanden werden, wenn sie als Einheit begriffen werden.“ – (Quelle: kath.net)

Update 24. Januar 06: Benedikts Wort zum Eros – Mit Spannung erwartet die katholische Kirche die erste Enzyklika ihres Oberhaupts. Mit mehrwöchiger Verspätung will Papst Benedikt XVI. das gut 40-seitige Werk jetzt präsentieren. Das Thema: die Liebe. – […] Es gilt in Rom als recht ungewöhnlich, dass sich ein Papst bereits vor der Präsentation seiner Enzyklika dazu äußert. Schon im Vorfeld sorgte die Enzyklika für erhebliche Aufregung in Rom: Zeitungen veröffentlichten Textpassagen und Kernaussagen. Der deutsche Kurienbischof Paul Josef Cordes meint, der Papst gehe darin auch auf die erotische Liebe zwischen den Menschen ein. Die Verzögerungen seien auf Übersetzungsprobleme zurückzuführen. – Es heißt, neun Monate nach seiner Papstwahl warne Joseph Ratzinger in dem Dokument ausdrücklich vor Eros ohne Liebe und Glaube. Dadurch werde Liebe “zum reinen Sex herabgesetzt”. Die Liebe werde zur Ware, “der Mensch selbst wird zur Ware”, heißt es den Angaben zufolge in dem Rundschreiben. […] – (Quelle: Spiegel Online)

Benedikt XVI. veröffentlicht erste Enzyklika – “Deus caritas est” – Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Enzyklika hervorgehoben, dass die christliche Liebe eine entscheidende Kraft im Ringen um eine gerechtere und menschenwürdigere Welt ist. In dem in Rom veröffentlichten Rundschreiben «Deus Caritas est» (Gott ist Liebe) betont er, Gottes- und Nächstenliebe seien untrennbar miteinander verbunden. Dies sei besonders aktuell in einer Zeit, in der im Namen Gottes zu Gewalt und Hass ausgerufen werde, heißt es mit Blick auf den Terrorismus. […] Neun Monate nach seiner Wahl ruft Benedikt mit seiner Enzyklika alle Gläubigen eindringlich zur tätigen Nächstenliebe auf. Zugleich verurteilt das Dokument ein Liebesverständnis, das auf das Sexuelle reduziert ist. Dies degradiere die Liebe zur Ware. Nach christlichem Verständnis müsse die begehrende Liebe (Eros) zur selbstlosen, schenkenden Liebe «gereinigt» werden. […] – (Quelle: Tagesschau.de, mit Video- und Audiolinks)

Gift oder Eros? – Die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI.: “Gott ist die Liebe” (Kommentar von Christ in der Gegenwart) – […] Interessant ist, daß in dieser Interpretation des Kreuzestodes Jesu die Sühnopfervorstellung nicht erwähnt wird. Vom Sühnopfer ist nirgendwo die Rede. Von „Opfer” allerdings schon. Jedoch im Sinne von „Hingabe”. So erhält die christliche Opfervorstellung eine andere Klangfarbe, als jene, die man mit den klassischen magisch-religionsgeschichtlichen Vorstellungen von Sühne und Opfer verbindet. Ich gebe, damit Gott mir gibt? Nein: Gott gibt, damit ich geben kann… Natürlich entfaltet der Papst im Kontext der Enzyklika keine ausgeprägte Opfertheologie. Der johanneische Akzent der „Hingabe” ist und bleibt hier freilich vorherrschend. – Papst Benedikt XVI. greift schließlich, ohne die Befreiungstheologie zu nennen, deren innerstes Anliegen auf: das Ineinander von Spiritualität und Engagement, Glaube und Handeln, Liturgie und Leben. „Die übliche Entgegensetzung von Kult und Ethos fällt hier einfach dahin: Im ‚Kult’ selber, in der eucharistischen Gemeinschaft ist das Geliebtwerden und Weiterlieben enthalten. Eucharistie, die nicht praktisches Liebeshandeln wird, ist in sich selbst fragmentiert”. […] Die dunklen Erfahrungen des Schweigens, der Nacht, der Ohnmacht Gottes deutet Papst Benedikt XVI. bloß knapp an, um über allem den Glauben an die Allmacht Gottes zu bekräftigen. Da gäbe es angesichts der ewigen Katastrophen im Gang der kosmischen und irdischen Evolution und im Horizont der „dunklen” Mystik etwa bei Johannes vom Kreuz oder Teresa von Avila gewiß noch anderes zu sagen – wenn Gott real eben doch wie abwesend erscheint. Dazu gehört der existentialistische Aufschrei, dazu gehören die wissenschaftlichen Welterfahrungen, die unsere gewohnten personalen Gottesbilder nochmals in ein anderes Licht ebenso des „Überpersonalen” tauchen und die manche Vorstellung von personaler „Liebe” und „Freiheit” nachhaltig erschüttern. Das aber würde den Rahmen einer Enzyklika sprengen und wohl manches Glaubensverständnis im „einfachen Volk” nochmals verunsichern. Nur: Auch solche sperrigen Fragen gehören mitten hinein in unser theologisches und logisches Ringen um Gott, in unsere Sehnsucht nach Gott, der „Geheimnis” ist – uns oft aber auch ein Rätsel. – Papst Benedikt XVI. will Hoffnung stiften, manches frostige Klima, das in einem langen kirchlichen Reformstau entstanden ist, mildern. Die positive Sicht von Welt und Schöpfung, die „natürliche” Theologie, die in dieser Enzyklika zum Ausdruck kommt, ist gewiß befreiend, verschafft wieder Luft zum Atmen. Das kann ein guter Anfang sein, um mutig und gewappnet auch zu jenen Fragen nach Gott vorzustoßen, die unbequemer und ungemütlicher sind. Gott ist die Liebe – und was „ist” „er” noch? – (Quelle: Christ in der Gegenwart)

Benedikts erste Enzyklika: Love, love, love! – Mit Spannung war sie erwartet worden, jetzt hat Benedikt XVI. seine erste Enzyklika vorgelegt. Es ist ein Hohelied der Liebe, wie es einfacher und radikaler nicht geht. Dogmatisch, aber nicht körperfeindlich. – Es sind 59 Seiten in alter Rechtschreibung, aufgebaut wie eine Tübinger Vorlesung, mit Verweisen auf Nietzsche und Marx, doch formuliert in klaren, allgemeinverständlichen und kräftigen Sätzen: “Deus caritas est”, Gott ist Liebe, so ist die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. betitelt, die thematische Regierungserklärung des deutschen Kirchenoberhaupts. “In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität”, schreibt Joseph Ratzinger. […] Ratzinger ist ein Radikaler, er geht an die Wurzeln. Er hätte über die Heuschreckenschwärme der Globalisierung schreiben können, über Gentechnik, den Darwinismus und eben die “Diktatur des Relativismus”. Doch dieser Papst ist ein Verkünder, kein Verkäufer. Er ist mehr an der Bestimmung der Wahrheit interessiert, als daran, die Lehre mit Spektakel zu verbreiten. Benedikt XVI. schreibt über die Liebe. – “Deus caritas est”, einfacher und radikaler geht es nicht. Radikal räumt der Papst in dem Text mit der körperfeindlichen Interpretation des Evangeliums auf. Eros, die begehrende, und Agape, die schenkende Liebe, seien nicht zu trennen. Liebe dient nicht allein der Fortpflanzung, sondern “wird Sorge um den anderen und für den anderen”. An dieser Stelle bezieht der Papst sich ausdrücklich auf das “Hohelied” im Alten Testament, auf die wohl sinnlichsten Sätze, die in der Bibel zu finden sind. – Das Aber folgt auf dem Fuße. Eros als gemischtgeschlechtliche Liebe bestimmt, Liebe zwischen Mann und Frau im Bett der Ehe: “Der Eros verweist von der Schöpfung her den Menschen auf die Ehe, auf eine Bindung, zu der Einzigkeit und Endgültigkeit gehören.” Ein Gott, ein Gatte/eine Gattin. Das mag nicht dem letzten Stand der Gender-Forschung entsprechen – geschweige denn den Vorgängen in diversen Priesterseminaren -, hat aber gewiss den Vorteil dogmatischer Präzision. – Eine Meditation über das Lukas-Evangelium, die Aufgabe der Nächstenliebe als “praktischer Einsatz hier und jetzt”, führt zum zweiten Teil der Enzyklika: Liebe “ist göttlich”, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einigungsprozess zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet.” – Der Auftrag der Kirche sei “Liebestun”. Das ist die Caritas. Nicht nur Wohltätigkeit im weltlichen Sinne, sondern institutioneller Wesensausdruck der Schöpferliebe Gottes: “Innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen darf es keine Armut derart geben, dass jemandem die für ein menschenwürdiges Leben nötigen Güter versagt bleiben.” Weltlich gesagt: Die Diakonie ist Kerngeschäft der Kirche. “In der schwierigen Situation”, schreibt Benedikt XVI., “in der wir heute gerade auch durch die Globalisierung der Wirtschaft stehen, ist die Soziallehre der Kirche zu einer grundlegenden Wegweisung geworden.” […] – (Quelle: Spiegel Online)

Video: Benedikt stellt Liebes-Enzyklika vor – Papst Benedikt XVI. hat heute seine erste Enzyklika “Gott ist die Liebe vorgestellt”. Darin mahnt der Pontifex, die Liebe zwischen Mann und Frau nicht zur Ware verkommen zu lassen. – (Quelle: Spiegel Online)

Kosmischer Ausflug mit Dante – Papst Benedikt XVI. veröffentlicht heute in Rom seine erste Enzyklika – über die Rettung der Liebe – […] Ihre öffentliche Sprengkraft wird die Enzyklika weniger in bewegenden oder revolutionären neuen Erkenntnissen, sondern vielmehr in der Treue des Papstes zur katholischen Lehre und zur katholischen Anthropologie entfalten. Das Wort Liebe sei “heute so verschlissen, abgenutzt und mißbraucht worden, daß man fast Angst hat, es in den Mund zu nehmen”, sagte der Papst. Dennoch “dürfen wir es nicht einfach aufgeben, sondern müssen es aufgreifen, reinigen und ihm seinen ursprünglichen Glanz zurückgeben, damit es unser Leben erleuchten und uns helfen kann, ein rechtes Leben zu führen”. – In der weltweiten Gender-Debatte und vor Fragen, wie viele Geschlechter es eigentlich gebe (ob drei oder vier oder fünf), wird der Neuverkündigung des alten jüdisch-christlichen Menschenbildes, nach dem der Mensch als Mann und Frau geschaffen wurde, scharfer Wind aus vielen Medien ins Gesicht stehen. Damit steht Benedikt nun freilich ganz fest in der Tradition seines Vorgängers. Johannes Paul II. hatte schon eine Enzyklika über die Liebe vorbereitet, aber nicht mehr vollenden können. Keiner hat mehr Texte als er hinterlassen, bevor seine Stimme auf dem “Lehrstuhl des Leidens” vor einem Jahr endgültig verstummte. – Schon davor hatte Kardinal Ratzinger das Pontifikat Johannes Paul II. maßgeblich mit gestaltet. Nun schreibt er dessen großen Text endgültig mit seiner Stimme weiter. Dabei konkurriert er mit keinem. Maß seiner Enzyklika wird im letzten das “Hohelied der Liebe” des Paulus sei: “Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.” – (Quelle: Welt.de)

Radio Vatikan: Benedikts erste Enzyklika – Volltext – VON PAPST BENEDIKT XVI. AN DIE BISCHÖFE, AN DIE PRIESTER UND DIAKONE, AN DIE GOTTGEWEIHTEN PERSONEN UND AN ALLE CHRISTGLÄUBIGEN – ÜBER DIE CHRISTLICHE LIEBE – EINFÜHRUNG – 1. “Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm” (1 Joh 4, 16). In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: “Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und ihr geglaubt” […] – Was der Papst selbst zu seiner ersten Enzyklika sagte (1) – […] “Die Lektüre meiner Enzyklika stärke euren Glauben, helfe euch, Gott immer mehr zu lieben und Werke der Nächstenliebe zu vollbringen.” Das sagte Papst Benedikt XVI. heute morgen in der Generalaudienz, wenn auch nur in den Grüßen an die polnischen Pilger. […] – Was der Papst selbst zu seiner ersten Enzyklika sagte (2) – […] In der Enzyklika würde ich gern den Begriff Liebe in seinen verschiedenen Dimensionen zeigen. Heute scheint die Liebe, von der man so spricht, sehr weit von der christlichen Vorstellung der Caritas entfernt. Ich will zeigen, dass es da um eine einzige Bewegung geht, aber mit verschiedenen Dimensionen. Der Eros, dieses Geschenk der Liebe zwischen Mann und Frau, kommt aus der gleichen Quelle der Güte des Schöpfers – wie auch die Möglichkeit der Liebe, die um des anderen will auf sich selbst verzichtet. Dass der Eros sich in Agape verwandelt, wenn man sich wirklich liebt und einer nicht mehr nur sich selbst sucht und seine Befriedigung, sondern vor allem das Wohl des anderen. Dass dieser Eros sich in Caritas verwandelt, auf einem Weg der Läuterung und Vertiefung, und sich zu einer Familie hin öffnet, auch zur Familie der Gesellschaft, auch zur Familie der Kirche und der Menschheit. – Und ich will auch zeigen, dass der so persönliche Akt der Liebe, der von Gott kommt – Gott, der ein einziger Akt der Liebe ist -, sich auch als kirchlicher Akt zeigen muss. Auch was die Organisation betrifft. Wenn es wirklich stimmt, dass die Kirche Ausdruck der Liebe Gottes ist, die er für seine menschliche Kreatur hegt, dann muß es auch stimmen, dass der fundamentale Akt des Glaubens, der die Kirche schafft und vereint und der die Hoffnung auf ewiges Leben gibt und auf die Präsenz Gottes in der Welt – dass dieser Akt des Glaubens also einen kirchlichen Akt begründet. Die Kirche als Kirche, als Gemeinschaft, als Institution muß lieben, und die so genannte Caritas ist nicht nur eine Organisation wie andere auch, sondern notwendiger Ausdruck des tiefen Aktes persönlicher Liebe, die Gott in unser Herz gepflanzt hat und die diesen Akt, der Gott ist, widerspiegelt und uns zum Abbild Gottes macht. […] – Radikal kurz: Die wichtigsten Sätze der Enzyklika – Die leidenschaftliche Liebe Gottes zum Menschen ist so groß, daß sie Gott gegen sich selbst wendet. Gott…, dieser schöpferische Ursprung aller Dinge … ist zugleich ein Liebender mit der ganzen Leidenschaft wirklicher Liebe. – Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt… – Gottes- und Nächstenliebe. Beide gehören so zusammen, daß die Behauptung der Gottesliebe zur Lüge wird, wenn der Mensch sich dem Nächsten verschließt oder gar ihn haßt. – (Nächstenliebe) besteht … darin, daß ich auch den Mitmenschen, den ich zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das ist nur möglich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus. Die Heiligen — denken wir zum Beispiel an die sel. Theresa von Kalkutta — haben ihre Liebesfähigkeit dem Nächsten gegenüber immer neu aus ihrer Begegnung mit dem eucharistischen Herrn geschöpft. – Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen. – Die Armen, heißt es, bräuchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Der Marxismus hatte die Weltrevolution und deren Vorbereitung als das Allheilmittel für die soziale Problematik vorgestellt… Dieser Traum ist zerronnen. In der schwierigen Situation, in der wir heute gerade auch durch die Globalisierung der Wirtschaft stehen, ist die Soziallehre der Kirche zu einer grundlegenden Wegweisung geworden. Das Erbauen einer gerechten Gesellschafts- und Staatsordnung, durch die jedem das Seine wird, ist eine grundlegende Aufgabe, der sich jede Generation neu stellen muß. Da es sich um eine politische Aufgabe handelt, kann dies nicht der unmittelbare Auftrag der Kirche sein…. Aber die Kirche kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben. – Liebe — Caritas — wird immer nötig sein, auch in der gerechtesten Gesellschaft. Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe überflüssig machen könnte. Wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen als Menschen abzuschaffen. – Praktizierte Nächstenliebe darf nicht Mittel für das sein, was man heute als Proselytismus bezeichnet. Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. – Was die Mitarbeiter betrifft, die praktisch das Werk der Nächstenliebe in der Kirche tun…: Sie dürfen sich nicht nach den Ideologien der Weltverbesserung richten, sondern müssen sich vom Glauben führen lassen. Der lebendige Kontakt mit Christus ist die entscheidende Hilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben: weder in menschenverachtenden Hochmut zu verfallen, noch sich der Resignation anheimzugeben… – Die Frömmigkeit schwächt nicht den Kampf gegen die Armut oder sogar das Elend des Nächsten. Die selige Theresa von Kalkutta ist ein sehr offenkundiges Beispiel dafür… Es ist Zeit, angesichts des Aktivismus und des drohenden Säkularismus vieler in der karitativen Arbeit beschäftigter Christen die Bedeutung des Gebetes erneut zu bekräftigen. – Die Liebe ist möglich, und wir können sie tun, weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind. […] – Enzyklika: Unser Kommentar – […] Ich meine, dass diese Enzyklika in vorzüglicher Weise zeigt, dass es ein völliger Unsinn ist, immer zu fragen, ob diese Papst konservativ oder progressiv ist, ob er liberal ist oder streng. Diese Fragen waren immer dumm und werden es bleiben. Wir müssen heraus aus den falschen Fragen und dürfen die Zeitungen nicht lesen, die solche stellen. Vielleicht lernen ja auch Journalisten langsam und sei es vom Papst.

Neue Enzyklika – ein Kommentar von Kardinal Karl Lehmann, Mainz – […] Die Enzyklika spricht für sich selbst. Die beiden Teile sind bei aller Verschiedenheit eng miteinander verbunden. Das Weltrundschreiben ist wirklich für die ganze Welt geschrieben. Deshalb darf man nicht die Lösung einzelner Probleme in spezifischen Ländern suchen. Es geht dem Papst um die grundlegenden Haltungen des Christen in unserer Welt. Ja, es geht um die Grundhaltung schlechthin, nämlich der Liebe. Der Papst geht damit ganz bewusst hinein in das Zentrum der christlichen Botschaft. Am Ende der einleitenden Nr. 1 sagt er auch deutlich, dass dies „eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung“ ist. Er hebt den programmatischen Aspekt der Enzyklika hervor, wenn er seine Absicht sieht, „darin – zu Beginn meines Pontifikats – einige wesentliche Punkte über die Liebe, die Gott dem Menschen in geheimnisvoller Weise und völlig vorleistungsfrei anbietet, zu klären und zugleich die innere Verbindung zwischen dieser Liebe Gottes und der Realität der menschlichen Liebe aufzuzeigen.“ (Nr. 1) Ich bin überzeugt, dass der Papst angesichts der Situation in der Welt und im Blick auf die Chance des christlichen Glaubens ins Schwarze trifft. In diesem Sinne begrüßen wir Bischöfe – aber nicht nur wir – dankbar die Wahl und Durchführung des Themas. Es ermutigt uns, gerade auch in unseren Bemühungen um Gerechtigkeit und Liebe, nicht zuletzt auch angesichts der heutigen Not des Sozialstaates. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vielfältigen Caritas werden dadurch ermutigt, ebenso alle politisch tätigen Frauen und Männer. Es wird auch deutlich gesagt, wie die Verantwortlichkeiten in Politik, Gesellschaft und Kirche in ihrer Verschiedenheit und in ihrem Zusammenwirken gesehen werden sollten. – Die Enzyklika schöpft aus der Fülle des christlichen Glaubens. In den knapp 40 Anmerkungen werden die Kirchenväter aus Ost und West, die Päpste des letzten Jahrhunderts, das Zweite Vatikanische Konzil und vor allem die Bibel in beiden Testamenten gehörig zu Wort gebracht. Die Heiligen als Zeugen fehlen nicht. Schließlich werden auch antike Dichter und Schriftsteller (Vergil, Sallust) und große Denker zur Geltung gebracht (Plato, Aristoteles, Descartes, Marx, Nietzsche). Natürlich hat der hl. Augustinus bei dem Papst, der schon seine Doktorarbeit über ihn gemacht hat und ihn seither ständig begleitet, einen hohen Rang. Auch die Überlegungen der vatikanischen Behörden und Institutionen fehlen nicht. Es ist ein gleichmäßiges Berücksichtigen der Quellen des Glaubens aus Schrift und Tradition, wie in einem bunten, sorgsam gewebten Teppich. – Der Papst hat kein leicht zu lesendes Schreiben hinterlassen, besonders im ersten Teil. Die Sprache ist einfach, aber er verlangt dennoch die Anstrengung des Begriffs. Dies ist eine Herausforderung gegen alle Schlagworte und nimmt uns in Anspruch, große und auch heute aktuelle Tradition zu vergegenwärtigen. Bildung und Kirche gehören von jeher zusammen, auch wenn dies manchmal vergessen wird. Und dies gilt gerade auch angesichts der Nöte unserer Welt. – Über den ökumenischen Aspekt habe ich schon eingangs gesprochen. Dieser Zusammenhang kommt direkt nur an einer Stelle vor (vgl. Nr. 30, Ende), aber es ist wohl überdeutlich geworden, dass diese Enzyklika durch den tiefen Rückgang auf die Bibel und die grundlegende Botschaft, die von den anderen Kirchen wohl nicht sehr verschieden gesehen werden kann, einen radikalen ökumenischen Charakter hat, auch wenn dieser mehr mittelbar in Erscheinung tritt. Auch die Wahl des heutigen Tages spricht ja auch eine eigene Sprache. – Es ist ein theologisch, spirituell, pastoral und sozial tief angelegter Impuls, mit dem der Papst uns für die Sendung in der heutigen Welt mehr Mut machen will. Dafür danken wir ihm. – (Quelle: Radio Vatikan)

“Liebe zielt auf Ewigkeit” – Papst Benedikt XVI. legt seine erste Enzyklika über die Bedeutung von Eros und Caritas vor – […] Nach dem spektakulären ersten Teil seiner Enzyklika, in dem er die Liebe als Mitte christlichen Glaubens und Boden christlichen Lebens und Sterbens neu nachzeichnet, widmet er sich in einem zweiten Teil einer Art Rehabilitierung der karitativen Hilfsdienste der Kirche, die er dabei vom Rand in die Mitte zurückholt. Diese “Caritas” sieht er neu als das Über-sich-Hinauswachsen der Kirche auf die Not der Welt, das schon Kaiser Julian Apostata im 4. Jahrhundert so erstaunt und fasziniert hat, daß er diese Hinwendung zu den Bedürftigen in seinem Modell einer heidnischen Konkurrenzkirche (vergeblich) zu etablieren versuchte. Denn Caritas ist die Entäußerung der kirchlichen “Gemeinschaft der Liebe” in die Welt hinein. Diese Caritas “wird immer nötig sein, auch in der gerechtesten Welt”, hält der Papst heute fest. Das aber ist nicht nur eine letzte Absage an den “zerronnenen Traum” des Marxismus, sondern auch an alle totalitären und integralistischen Versuchungen und Modelle innerhalb der Kirche und ihrer Theologen, die jeden karitativen Einsatz auch hundert Jahre nach Karl Marx noch als “systemstabilisierend denunzieren” möchten. Programm der Christen müsse dagegen bis zum Ende der Tage “das sehende Herz” bleiben. – Weit über den Tag hinaus hat Benedikt XVI. mit diesem Schreiben also eine Hilfe für jene Helfer vorgelegt, der die Kirche mehr Glanz verdankt als all ihren Basiliken. – (Quelle: Welt.de)

Die Heidenangst vor der chaotischen Macht der Sexualität – Religion und Sexualität waren stets Konkurrenten in Sachen Ekstase. Papst Benedikt XVI. versucht in seiner Enzyklika, diese Konkurrenz zu entschärfen. Er betont die Einheit von Geist und Körper. – Es ist ein spannungsreiches Verhältnis, das zwischen der Liebe und der Religion. Einerseits waren die sexuelle Liebe und die Religion stets Konkurrenten. Reinheit – ob nun die antiker Priesterinnen oder die zölibatärer Kleriker der katholischen Kirche – stand stets im Ruf der Heiligkeit. Vor der chaotischen Macht der Sexualität hatte Kirchenführer und Theologen zu jeder Zeit einen Heidenrespekt. – In Zeiten, in denen sich fromme Menschen im Wettstreit gegenseitig zu überbieten versuchten, da wuchs sich der Respekt vor der Sexualität zur Leibfeindlichkeit aus. Religion und Sexualität waren stets Konkurrenten in Sachen Ekstase. […] Die Enzyklika Benedikts vermeidet alle Verurteilungen und jeden scharfen Ton. In Sachen Sexualmoral bietet der Papst zwar nichts Neues, allerdings versucht er, die Konkurrenz von Religion und Sexualität zu entschärfen. Auch der Eros bekommt seinen Platz in der Theologie. – Leibfeindlich will Benedikt nicht sein: “Wenn der Mensch nur Geist sein will und den Leib sozusagen als bloß animalisches Erbe abtun möchte, verlieren Geist und Leib ihre Würde.” Mehr noch. Wenn man die begehrende Liebe, so der Papst, als unfromm ansieht, dann wird das Christentum “zu einer Sonderwelt, die man dann für bewundernswert ansehen mag, die aber doch vom Ganzen der menschlichen Existenz abgeschnitten würde”. – Liebe und Religion stehen in einem spannungsreichen Verhältnis. Besonders Sexualität und Frömmigkeit. Das sieht auch Benedikt XVI. so. Denn trotz allen Lobs des Eros sieht er auch Grenzen des Lustprinzips: “Und wenn der Mensch den Geist leugnet und so die Materie, den Körper, als alleinige Wirklichkeit ansieht, verliert er wiederum seine Größe.” – (Quelle: Frankfurter Rundschau online)

Mitten in der Realität – Diese Enzyklika wird alle enttäuschen, die sich darauf gefreut hatten, vom neuen Papst enttäuscht zu werden. Benedikt XVI. gibt nicht den Reaktionär, den viele in ihm sehen möchten, er ist nicht mit Attacken gegen Feministinnen zu Diensten, sein Lehrschreiben “Gott ist die Liebe” führt keine Fehde gegen Kondome. Und wo es von der Nächstenliebe handelt, von der katholischen Soziallehre und dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat, da ist keine Spur von einem Fundamentalismus, der die Demokratie dem Klerus unterwerfen will. Nein, der deutsche Papst hat einen spektakulär maßvollen Text vorgelegt, der Katholiken gültige Orientierungen gibt und für Protestanten wie Atheisten in weiten Teilen zustimmungsfähig ist. […] – (Quelle: Welt.de)

Eros und Gott – […] In diesem Jahr muss sich zeigen, was für ein Papst Benedikt XVI. sein will. Seine erste Enzyklika handelt von der Liebe – Das ist gerade die Pointe und eine gewisse Kühnheit des ersten, anthropologisch-theologischen Teils der Enzyklika, dass sie nicht von Mutter Teresa ausgeht, sondern von der erotischen Liebe. Der Papst ist inspiriert von Platon – wie der griechische Philosoph sieht er in der Liebe eine Begeisterungskraft, die den Menschen über sich hinauszieht, begehrend, suchend, erkennend, wohlwollend. Dieses Streben muss »gereinigt« werden (eine Ratzingersche Lieblingsvokabel), hineingelenkt in die Ehe und in die christliche caritas, aber letztlich ist die Liebe aus einem Stück, nicht gespalten in einen sublimen himmlischen und einen suspekten irdischen Teil. Es ist eine Antwort auf Nietzsche, den die Enzyklika auch zitiert, eine Entgegnung auf seinen Vorwurf der Leib- und Lebensfeindlichkeit des Christentums. – Die zweite Hälfte von Deus caritas est ist eine Art Sozialpolitik der Liebe. Der Papst knüpft an den Streit an, den er als Kardinal in den achtziger Jahren mit dem Marxismus und der kirchlichen Linken ausgetragen hat, die statt Nächstenliebe nur noch Gerechtigkeit wollten, statt Almosen Systemveränderung. Benedikt XVI. verwirft die Utopie einer sozialtechnisch perfektionierten Gesellschaft, die über die caritas hinaus zu sein glaubt: »Immer wird es Leid geben, das Tröstung und Hilfe braucht. Immer wird es Einsamkeit geben.« Dass hinter der Gerechtigkeit noch die Liebe steht, ist ein Schutz gegen den bürokratischen Wohlfahrtsstaat, und es ist ein Rettungsmittel gegen die Verzweiflung, in der der oft vergebliche Kampf um eine bessere Welt sonst zu enden droht: »Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt.« Da spürt man auch die Anfechtungen und Tröstungen des erschöpfbaren »Arbeiters im Weinberg des Herrn«, als der Joseph Ratzinger sich nach der Papstwahl auf der Loggia des Petersdoms den Gläubigen vorstellte. […] Karol Wojtyła war mit der Wahl sofort Johannes Paul II., als Papst gleich fertig. Joseph Ratzingers Verwandlung in Benedikt XVI. dauert etwas länger, und noch ist die Spannung nicht aufgelöst, wer am Ende dabei herauskommt. – (Quelle: Zeit.de)

DeutschlandRadio-Beiträge: 1 – Vorstellung; 2 – Kommentar

Pressespiegel zur Enzyklika auf Kath.net

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