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10 Fragen an Florian Böth

1. Was darf unsere Gemeinde von Ihrer Zeit bei uns erwarten? – Einen neuen Mitarbeiter, der sich bemühen wird, sie auf ihrem Glaubens- und Lebensweg ein Stück zu begleiten. Der so selbst dazulernen wird und vielleicht auch das ein oder andere einbringen kann von dem, was ihm wichtig ist.

2. Was wünschen Sie sich von den Menschen unserer Gemeinde? – Dass sie meine Arbeit vor allem im Gebet mittragen und offen ihre Sorgen und Nöte nennen.

3. Wie würden Sie einem Menschen von Gott erzählen, der noch nie etwas von ihm gehört hat? – Ich glaube fest, dass Gott im Leben eines jeden Menschen auf die eine oder andere, aber jeweils verschiedene Art und Weise wirkt. Es wäre schön, wenn jeder ganz persönlich entdeckt, wo Gott in seiner Lebensgeschichte gewirkt hat. Und dabei Hilfestellung zu geben, dabei gemeinsam Gott im Leben zu entdecken, ist ganz wichtig. Das bedeutet also, dass der Punkt, an dem man einen Menschen erreichen kann, bei jedem verschieden ist. Entsprechend unterschiedlich müsste dann auch der Zugangsweg zum göttlichen Geheimnis sein. Gott ist ja immer mehr als wir uns vorstellen oder als wir ausdrücken können.

4. In welchem Maße unterscheidet sich Ihrer Ansicht nach katholisches Kirche- und Christsein zwischen einem Diasporagebiet wie Ihrer Heimat und gegenteiligen Verhältnissen? – Das Diasporagebiet meiner Heimat (Nordhessen) liegt durchaus mitten im Bistum Fulda. Unser Bistum besteht übrigens hauptsächlich aus Diasporagebieten. Ein paar Zahlen: zu meiner Heimatpfarrei gehören 52 Ortschaften, der zukünftige Pastoralverbund wird ca. 120 Dörfer und 2 Kleinstädte umfassen. Das bedeutet auch, dass die Menschen oft lange Wege auf sich nehmen müssen, um einen Gottesdienst oder eine andere kirchliche Veranstaltung zu besuchen. Auch die gesellschaftliche Stellung gerade der katholischen Kirche ist eine andere.

5. Welche Befürchtungen und Hoffnungen verbinden Sie mit dem Pastoralen Prozess? – Es wird ganz viel von den Menschen abhängen, die in einem Pastoralverbund zusammen arbeiten und leben. Und dabei denke ich nicht nur an die Hauptamtlichen. Befürchtung also, dass die Zusammenarbeit in Einzelfällen schief gehen kann, Hoffnung, dass sie gelingt, wenn ausreichend guter Wille da ist. Vor allem aber kommt es darauf an, dass die Kirche wirksam und glaubwürdig das Wort Gottes verkündet und in den Sakramenten Christus gegenwärtig – alles andere sind letztlich nachgeordnete Fragen.

6. Wie genau hat sich Ihr Entschluss, Priester zu werden, „auf vielfache und oft auch überraschende Weise bestätigt“? – Es gab bei mir eine ziemlich lange Phase, in der ich hin und her überlegt habe, ob das mit der Priesterweihe etwas ist oder nicht. Und jedesmal (und das passierte einige Male), wenn ich kurz davor war, nein zu sagen, geschah etwas, das mich umdenken ließ. Das konnte eine Predigt sein, eine Erfahrung im Gebet, ein paar Worte eines lieben Menschen oder einfach die Tatsache, dass ich erleben durfte, dass sich das Leben so leben lässt, wie ich es nun vorhabe.

7. Wie stehen Sie zur Ökumene allgemein und zu Unternehmungen wie der Einladung zur „offenen Kommunion“ durch den im Anschluss suspendierten Gotthold Hasenhüttl im Rahmen des 1. Ökumenischen Kirchentags 2003? – Wenn man bedenkt, dass die Kirche der Leib Christi ist, stellt man fest, dass die Spaltung der Kirche schlicht und einfach ein Skandal ist, weil sie den Leib des Herrn selbst betrifft. „Dass alle eins seien“ ist der Wunsch Jesu, den er im Abendmahlssaal kurz vor seinem Tod äußert. Und er fügt hinzu: „Damit die Welt glaubt.“ Auch das erfahren wir: das so nötige Zeugnis der Christen wird durch die Spaltung verdunkelt. – Weil Kirche aber nicht aus sich heraus Kirche sein, sondern weil nur von Jesus Christus her ihre Berechtigung hat, ist auch die Einheit der Kirche nur vom Herrn her wiederherzustellen. Der wichtigste Weg ökumenischen Bemühens muss also das Gebet um die Einheit sein, wo es geht gemeinsam. – Einheit meint aber mehr als bloß äußerliches Zusammengehören, deshalb dürfen ökumenische Gespräche auch nicht zu einer Art Koalitionsverhandlungen werden. Entscheidend ist die Suche nach der Wahrheit, die allein von Christus her kommt. – Die Geschehnisse auf dem Kirchentag in Berlin tragen sicherlich nicht dazu bei, eine Einheit herbeizuführen, die auch dem Wahrheitsanspruch gerecht wird, der mit der Person Jesu Christi immer verbunden ist.

8. Wie haben Sie den Tod JP2s und den Übergang zu Benedikt XVI. erlebt? – Sehr intensiv, da ich das Glück hatte, in Rom zu sein, als Papst Johannes Paul II. starb. Wir waren mit einigen Mitbrüdern aus dem Priesterseminar dort (schon Monate zuvor geplant) und es so kam es, dass wir sowohl an seinem Leichnam Abschied nehmen konnten als auch das Requiem auf dem Petersplatz miterleben durften. Bei Wahl und Einführung von Benedikt XVI. war ich dann wieder in Fulda, wobei ich mich noch gut an die Spannung erinnere, die im Seminar während der kurzen Zeit des Konklaves herrschte. Vor allem denke ich aber an die Freude, die unter den Anwesenden herrschte, als der Name des „Neuen“ verkündet – auch Weihbischof Diez war zu dem Zeitpunkt im Haus und saß mit uns vor dem Fernseher.

9. Inwiefern können Massenveranstaltungen wie die von JP2 eingeführten Weltjugendtage Ihrer Erfahrung nach jungen Menschen geistliche Erfahrungen schenken? – Ich selbst habe die Weltjugendtage in Rom, Toronto und Köln als befreiend und als zuversichtlich stimmend erlebt. Es sind dort ja nicht nur Massenveranstaltungen, sondern auch z.B. Gelegenheit zu Stille und Anbetung. Die Massenveranstaltungen selbst erzeugen oft positive Emotionen, lassen Freude am Glauben und am Katholisch-Sein aufkommen. Und das ist ja nichts Schlechtes. Gefährlich wird es dann, wenn der Anschein entsteht, dass diese schönen Gefühle selbst der Glaube sind. Der Glaube ist aber vor allem im Alltag durchzutragen, und da wissen wohl die allermeisten, dass das keineswegs einfach ist. Große Veranstaltungen wie der WJT können also Impulse geben und sicher auch viele mitreißen; es kommt aber darauf an, was sich nachher im Alltag abspielt und da ist es sicher nötig, die Jugendlichen weiter zu begleiten, wie es ja auch z.B. durch das Bischöfliche Jugendamt geschieht. Das Gebot der Stunde lautet, dass, was in Köln an Begeisterung da war, jetzt für eine Glaubenserneuerung hier und jetzt zu nutzen.

10. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, wären das…? – …dass immer mehr Menschen entdecken, dass wahre Freiheit in der Hingabe an Gott verborgen liegt. – …dass es der Kirche gelingt, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu besinnen. – …dass jeder Mensch in seinem Leben die liebende Kraft Gottes so deutlich erfährt, wie es für ein gelingendes Leben nötig ist.

Vielen Dank, Herr Böth, für Ihre aufschlussreichen Antworten!

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