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Wegzehrung des Glaubensseminars

Wegzehrung des Glaubensseminars „Aus der Versöhnung leben“ – Fastenzeit 2006 (von Katja Schmidt)

Auch in diesem Jahr begleitete uns Pater Max Rademacher vom Kloster Frauenberg als erfahrener Reiseführer durch das Glaubenseminar in der Fastenzeit. In den fünf Seminarabenden waren wir eingeladen „aus der Versöhnung leben“ zu lernen.

Am Beginn unserer Reise stellte uns Pater Max den strafenden Richter-Gott, den Leistungs-Gott, den Buchhalter-Gott und den lieben Opa-Gott vor und wir erfuhren, dass es sich hierbei um die Gottesbilder handelt, die wir Menschen uns üblicherweise vom Vater im Himmel machen. Erst, als jeder von uns versuchte sein ganz persönliches Gottesbild in Worte zu fassen, wurde deutlich, welches individuelle Bild jeder einzelne von Gott in sich trägt und dass sich dieses im Laufe des Lebens durch Erziehung, durch Lebensumstände und -erfahrungen entwickelt.

Auf unserer Route begegneten wir bald einer Gruppe von Pharisäern. Mit Steinen bewaffnet nahmen sie Anstoß an einer Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war und wollten diese in einer Art Volksjustiz durch Steinigung bestrafen. Sie schleppten die Frau vor Jesus und mit seiner Zustimmung sollte sie durch Steinhagel sterben. – Aber wie reagiert Jesus? Was tut er? „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ antwortet er den selbstgerechten Pharisäern. Und nach und nach lassen sie die Steine fallen und gehen fort. – Auch uns spricht Jesus mit diesem Satz an. Dieser Satz soll für uns wie ein Stein des Anstoßes sein. – Anstoß, darüber nachzudenken, wie oft und leichtfertig wir andere be- und verurteilen. – „Frau, Dich hat keiner verurteilt, dann verurteile auch ich Dich nicht. Geh und sündige nicht mehr.“ – So spricht Jesus sie an und diese Zusage gilt auch jedem einzelnen von uns. – Wenn Jesus sich uns schuldig gewordenen Menschen nähert, dann möchte er uns nicht bestrafen, er möchte uns vielmehr von Sünde und Versagen heilen. Im Sakrament des Scheiterns, wie die Beichte auch bezeichnet wird, ist Jesus dem gescheiterten Menschen ganz nah, ist unbestechlich gerecht und unendlich barmherzig.

Auf einer weiteren Reise-Etappe wurden alle Verwundungen und Verletzungen der Menschheit offen gelegt. Pater Max sprach das Gebet der inneren Heilung um Gott alle Wunden und Leiden anzuvertrauen. – Durch Niederlegen von Tonscherben oder Steinen konnte jeder sein ganz persönlich Zerbrochenes, Krankes oder Schuldiges vor dem Allerheiligsten ablegen. Mit dem Auflegen von Weihrauchkörnern sandten wir unsere Anliegen zu Gott und fühlten uns von ihm angenommen und umarmt wie seine verlorenen Söhne und Töchter.

Unser nächstes Etappenziel war sehr beschwerlich. Gemeinsam mit Moses machten wir uns auf den Weg den Berg Sinai und die zehn Gebote zu erklimmen. – Doch mit jedem Schritt nahmen wir die Gebote nicht länger als die zehn Stolpersteine wahr, die Gott uns in den Weg legt um uns zum Straucheln zu bringen – nein – mit jedem Schritt wurden sie uns zu Wegweisern, die Gott uns schenkt damit wir uns auf dem Weg zu ihm nicht verirren. – Unser Gewissen ist uns dabei eine große Hilfe. Es ist der Kompass, der uns die Richtung weist. Mit einem gut tarierten Gewissensspiegel ausgerüstet, entdeckten wir, dass die Bibel eine Stütze ist um uns für Gottes Auftrag hellhörig zu machen. Und falls der Weg zu beschwerlich wird, dann gibt uns die Beichte als „Rast-Station“ die Möglichkeit, überschüssiges Gepäck einfach abzuladen. Wenn wir nach der Wurzel unserer Schuld suchen und diese vor Gott offen aussprechen, wenn wir ihm vertrauen, dann kann er uns heilen.

Mit Gottes-Lebens-Mitteln gestärkt, erreichen wir mit unserem Seelsorger, Pfarrer Liebig, unser eigentliches Reiseziel – den Teich der Versöhnung. In ihm versenken wir die bedrückenden, schwer lastenden Steine unserer Schuld in der tröstlichen Gewissheit, dass der Herr des Teiches uns verzeihen und niemals mehr in den unendlichen Tiefen nach unserer Schuld angeln wird. Er hat ihn für uns erschaffen und wir sollten sein Schöpfungswerk unter Denkmalschutz stellen; es hegen und pflegen und nie vergessen, dass angeln in diesem Gewässer auch für uns verboten ist. Wir werfen noch einen Blick in das klare Wasser und freuen uns an den ersten kleinen schillernden Fischen die wir entdecken. Die dunklen, sumpfigen Tiefen des Teiches sehen wir nicht mehr.

Mit reichlich Wegzehrung ausgestattet, treten wir den Rückweg in unseren Alltag an. In unserem prall gefüllten Proviant-Rucksack bleibt nicht das kleinste Plätzchen für die vielen Vorurteile gegenüber unseren Mitmenschen, die wir bis hierher so mühevoll mitgeschleppt haben. Wir lassen sie einfach zurück.

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