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Die Menschen in Kenia leben mit dem Tod (Aus „Fuldaer Zeitung“ vom 9. Juli 2005)

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Schwester Therese Vogel zum Aids- und Armutsdrama

Dem Krisen- und Aids-geschüttelten Afrika fühlt sich Schwester Therese Vogel verbunden. Der Einsatz für Aidskranke und Infizierte prägt ihre Arbeit in Kenia. Dabei wird sie mit großem Elend konfrontiert, erlebt aber auch Lichtblicke.

Die 72-Jährige leitet drei Krankenstationen in Westkenia im Grenzland zu Uganda und muss sich jeden Tag damit auseinander setzen, dass Aida für die Menschen dort allgegenwärtig ist. „Man lebt mit dem Tod“, betont die von der Kneshecke stammende Ordensfrau, die derzeit auf Heimatbesuch ist. Sie spricht von einem „Aidsdrama“.

Als besonders bedrückend empfindet sie, dass es bei all den riesigen Problemen für die Betroffenen „keinen Cent Unterstützung vom Staat gibt“. Die internationale Hilfe komme nicht dort an, wo sie gebraucht werde. „Die Bonzen und die Verantwortlichen in der kenianischen Regierung bereichern sich auf Kosten der Sterbenden“, prangert Schwester Therese an.

Die ganze Wirtschaft liege am Boden, die hohe Arbeitslosigkeit lasse zahlreichen Menschen keine Chance.

„Die Armut hat in Kenia einen Grad erreicht, dass man um Tote nicht mehr viel weinen kann“, gibt Schwester Therese zu bedenken. Soe geht noch einen Schritt weiter: „Die völlige Armut treibt Menschen in die Aids-Seuche“. So sähen etliche Frauen keinen anderen Weg aus dem Hunger als die Prostitution.

Angesichts des Teufelskreises von Not und Tod ist es für die Ordensfrau ein Hoffnungszeichen, dass Ärzteteams im Auftrag der Universität von Philadelphia (USA) Aids-Betroffene kostenlos nach der Anti-retroviralen Therapie behandeln. „Wer früh genug beginnt, dieses Projekt „Ampath“ zu nutzen, kann lange mit der Krankheit leben. Aber für viele kommt die wertvolle Hilfe zu spät.

Schwester Therese berät Menschen zu Aids, motiviert sie, sich testen zu lassen. In ihren Stationen werden Patienten im Krisenzustand betreut. Eine wichtige Aufgabe der engagierten Frau besteht auch darin, mit ihrem Auto Kranke zu den Ampath-Ärzten in das zwölf Kilometer von der Station Chelelemuk entfernte Distrikt-Spital Kocholya und wieder nach Hause zu bringen. In ihrem Toyota haben – dicht gedrängt – 20 bis 25 Patienten Platz. Auf ihrer Fahrdienst-Liste standen im Januar 123 Menschen. „Seither sind 18 von ihnen gestorben, auch Kinder“ (Juli 2005). Nicht selten muss das Auto der Ordensfrau – das einzige weit und breit – Leichenwagen sein.

Besonders beschäftigt Schwester Therese, deren Arbeit fast ausschließlich von einem osthessischen Freundeskreis finanziert wird, das Schicksal der Witwen und Waisen. Viele Frauen, die ihren Mann durch Aids verloren haben, seien für eine Behandlung sehr aufgeschlossen. „Sie wollen möglichst lange leben, um ihre Kinder durchzubringen, und nehmen dafür viel in Kauf“. Das imponiert Schwester Therese.

Manchmal gibt es kleine Wunder: Bei einer total abgemagerten Frau und Mutter stellte sich heraus, dass die Ursache nicht Aids war, sondern „nur“ Unterernährung. „Sie und ihr Mann haben neu zu leben begonnen.“

Die Ordensfrau hat ihr Gottvertrauen nicht verloren und spürt es auch bei vielen Kranken – trotz allem. Es gibt Kraft für die Zukunft, von der sie sagt: „Kein Mensch weiß, wie das mit Aids weitergeht.“

Wer helfen will, kann dem „Freundeskreis Schwester Therese Vogel“ Geld spenden auf das Konto 885593600 bei der Dresdner Bank Gießen, BLZ 51380040. Die Ordensfrau dankt für alle Förderung.

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