Artikelformat

Gott hört

Gedanken zum diesjährigen Glaubensseminar

Unser modernes, so schnelllebiges Zeitalter bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten um in rasender Geschwindigkeit miteinander in Kontakt zu treten. Ob über Telefon, E-Mail, Internet oder Handy: der Technik sind heutzutage weltweit (fast) keine Grenzen gesetzt. Und doch fehlt uns Menschen zum Kommunizieren oft das Wesentliche. Wir jagen den verschiedenen Zeitgeistern hinterher, finden dabei kaum noch Ruhe für ein ausführliches Gespräch oder ein von Herzen gesprochenes Gebet. Um ruhig zu werden und wieder mehr voneinander erfahren zu können brauchen wir das, von dem wir Menschen glauben, es am wenigsten zu haben: Zeit. Zeit – um still zu werden, Zeit – um zuzuhören und Zeit – um mitzuteilen. Dies gilt für ein Gespräch miteinander genauso wie für ein Gespräch mit Gott.

In dem diesjährigen Glaubensseminar der Fastenzeit haben wir, die St. Antonius-Gemeinde Künzell, uns die Zeit genommen, die vielseitigen Gebetsformen unseres Glaubens neu zu entdecken und aus ihren Quellen Kraft für unseren Alltag zu schöpfen. Mit Pater Max Rademacher vom Kloster Frauenberg hatten wir einen vertrauten und kundigen Begleiter durch die Schule des Gebetes.

Am Beginn unserer Lehrzeit nahmen wir die Bibel als bewährten Navigator zur Hand. Wir hörten und betrachteten gemeinsam Gottes Wort, teilten miteinander unsere Gedanken und spürten bald, dass ER jeden Menschen auf unterschiedliche, ganz persönliche Weise anspricht um uns an seiner Heilsgeschichte teilhaben zu lassen.

Unser Navigator führte uns bald zu den Psalmen, die der Atem des Betens genannt werden, weil Menschen von jeher ihre Freuden aber auch ihre Schmerzen, Ängste und Leid in diesen Gebeten herausgeschrien. haben. Die persönliche Lebenssituation des Einzelnen mit allem Fragen und allem Sehnen findet darin Platz. Psalmen sind der Spiegel des Lebens – in Verzweiflung, Trauer, Freude, Bitte und Dank. Alles, was ich ausspreche, ist tiefster Ausdruck meines Lebens und Fühlens, ohne Korrektur. Ich gewähre dem Herrn einen Blick in meine Seele. So wie Jesus, der in tiefster Not und Angst zu seinem Vater geschrien hat, kann auch ich mein ganzes Elend vor ihm ausbreiten. Bei IHM finde ich Zuwendung und Heimat weil ich so sein darf wie ich bin mit allen Widersprüchlichkeiten meines Lebens.

In einem weiteren Abschnitt unserer Lehrzeit in der Gebetsschule entdeckten wir den Rosenkranz als eine Form des meditativen Gebetes, das uns zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit führen kann, das aber auch einige Zeit in Anspruch nimmt. Wenn wir die schlichte Schnur mit den 59 darin verknüpften Perlen zur Hand nehmen, dann möchte uns Jesus – Perle für Perle – durch die Stationen seines Lebens führen. In den freudenreichen, den schmerzhaften, den glorreichen und den lichtreichen Geheimnissen liegen die Freuden, die Schmerzen, die Hoffnungen und die erfüllten Prophezeiungen unseres Mensch gewordenen Heilands verborgen. – Aber nicht nur das – in den gesprochenen Worten des Gebetes können wir wahrnehmen, wie unsere Freuden, unsere Schmerzen und unsere Hoffnungen das Ufer Gottes erreichen. Er hört, wenn wir ihm all das, was uns bewegt, anvertrauen. Das Kreuz, das den Anfang und das Ende des Rosenkranzes miteinander verbindet, möchte daran erinnern, dass wir Menschen von der Geburt bis zum Tod mit Gott verbunden sind. Es ist uns als Heils- und Segenszeichen geschenkt und wird uns durch die Sorgen und Nöte dieser Zeit dorthin führen, wo ER schon einen Platz für uns bereitet hat.

Um frisch und munter zu bleiben stärkten wir uns an der kleinen Quelle des Gebetes, dem „Engel des Herrn“, in dem die ganze Erlösungsgeschichte in wenigen Worten zusammengefasst ist. Wir begriffen, wie schwer es uns fällt einfach Mensch zu sein, wie Maria, die vertrauend empfangen hat, was der Herr ihr sagen ließ. Ihr Herz war offen für die Worte des Engels und so konnte sich die Wirkungskraft des Geistes in ihr entfalten. Sie hat geschehen lassen, was sie nicht begreifen konnte, hat ihre Zukunft in die Hand Gottes gelegt. Ist unser Herz heute noch offen für Gott und die Wirkungskraft seines Geistes?

Im fünften Abschnitt unserer Lehrzeit erreichten wir dann das Zentrum unseres Glaubens in der eucharistischen Anbetung. In der Stille suchten wir die Nähe unseres Herrn. Staunen, sich klein machen angesichts seiner Größe. ER schaut mich an und ich schaue ihn an. Einfach da sein und schweigen, die höchste Sprache der gegenseitigen Achtung und Liebe.

Zu guter Letzt lernten wir, dass auch meditative und rhythmische Bewegungen Formen des Betens sein können. Wenn einigen von uns dies auch fremd ist, so kann der Tanz eine Möglichkeit sein sich Gott mitzuteilen.

Rückblickend auf die tiefen Stunden des Betens und Meditierens wurde uns allen deutlich, dass die gemeinsam verbrachte Zeit nicht genommene sondern geschenkte Zeit war: Zeit – die wir uns täglich schenken sollten um die Stimme Gottes im Lärm des Alltags nicht zu überhören. ER ruft jeden einzelnen von uns – er ruft mich – beim Namen, um mir zu sagen wie sehr er mich liebt. Ist es nicht längst an der Zeit nach einer Form des Gebetes zu suchen, die es mir möglich macht das Gespräch mit ihm neu zu beleben? Wenn ich still werde, ihm mein Herz öffne, dann kann ich seine Nähe vielleicht wieder spüren. Der Weg des Gebetes ist ein langer Weg, so lang wie das Leben selbst. ER ist bereits ein großes Stück des Weges (für mich) gegangen … und es liegt an mir, ihm entgegen zu gehen.

Katja Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.