Freudige Fatima Feier im Marien-Monat

Ein Bericht von unserem Hermann Diel

Lichter auf der Lichtung, die Bänke in der Fatimaschlucht belegt: Mit einer beeindruckenden Abschlussfeier fand der Marienmonat Mai seinen stimmungsvollen Höhepunkt. Wunderbar allein die feierliche Lichterprozession von der Mariengrotte zurück zur Pfarrkirche. Zum Jubiläum – die Fatimaschlucht wurde vor genau 50 Jahren geweiht – zeigte sich die Marienverehrung in dieser Form so aktuell wie vor einem halben Jahrhundert.

 

Den Grundstein zu dem festlichen Ereignis hatten fleißige Künzeller in den 50er Jahren gelegt. „Bodenbewegungs- und gärtnerische Arbeiten“, so heißt es in der Pfarrchronik, haben Gemeindeangehörige in wochenlanger freiwilliger Arbeitsleistung bewältigt. „Besonders bewährt“ hatten sich dabei nach Kirchenaktenlage Franz Joseph Heil, Franz Stankowiak und der Gärtner Erich Weimer. Dass der Gärtner Weimer „nicht katholisch“ ist und sich dennoch so eifrig für die Mariengrotte einsetzt, vermerkte Pfarrer Sauerbier in der Chronik mit einem Ausrufezeichen. Den Eingang mit dem eisernen Tor, so schreibt der Rhönklub, hatte Pfarrer Sauerbier bewußt sehr schmal bauen lassen: Die Besucher sollten einzeln und langsam in die Mariengrotte eintreten. Finanziert wurde das Projekt von der Pfarrgemeinde selbst, vor allem durch „Opferspenden der Gemeindeglieder.“ Am 5. Oktober 1958 war es endlich so weit: „Der Pfarrer gibt der neu erstellen Fatima-Schlucht mit der Fatima-Statue die kirchliche Weihe.“ Mit Musikbegleitung zog die Gemeinde in die „Ecke zwischen Priesterseminarwald und der Straße nach Keulos.“ Hier wird den Gläubigen die Fatima-Botschaft verkündet. Schon bald kommen Pilgergruppen aus der nahen und weiten Umgebung. Dokumentiert ist zum Beispiel der Besuch von „Diaspora-Katholiken“ aus Neukirchen im Kreis Hünfeld. Auch der Fuldaer KKV wallfahrtet in die Künzeller Fatima-Schlucht, ebenso „Diaspora-Katholiken aus Langenselbold“ unter Pfarrer Wistuba.
50 Jahre später zieht die Gemeinde Künzell wieder und immer noch in die malerische Mariengrotte. Fleißige Helfer unter der Leitung von Otto Hohmann hatten die Schlucht schon im April hergerichtet und auf Vordermann gebracht. Bei herrlichem Wetter kamen bereits zum Auftakt am 1. Mai viele Besucher in die Grotte. Zum Höhepunkt wurde die Abschlussmesse am 31. Mai. „Alle Menschen werden als Original geboren“, zitiert Pfarrer Rudolf Liebig in seiner Predigt den Maler Picasso, „nur sterben die meisten als Kopie.“ Er bezieht dies auf viele Menschen in unserer Nähe, die Original geblieben sind. Er bezieht dies auch auf die Mutter Gottes, auf Maria. Sie ist Vorbild und Ermutigung, und gesunde Marienverehrung werde zu einem Segen. Bezogen auf die Fatima-Grotte indes könnte man das Picasso-Zitat umdrehen: Geboren als Kopie – denn bereits im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert entstanden Mariengrotten, als Folge der Marien-Erscheinung in Lourdes. Inzwischen aber ist die Grotte in Künzell ein Original: Sie ist DIE Fatima-Schlucht der Gemeinde, und nicht nur im Mai wird sie von vielen Gläubigen besucht, auch von Mitgliedern aus Nachbarpfarreien. Lohnend ist der Besuch immer, wenn auch nicht so stimmungsvoll wie zum Abschluss des Marienmonats im Jubiläumsjahr 2008.

 

Die Abschlussmesse am 31. Mai war zahlreich besucht.