Anschreiben 11/08

Liebe Pfarrgemeinde!

Den Monat November bezeichnen wir oft als den “Totenmonat”, weil wir mehr als sonst mit unseren Gedanken bei denen sind, die vor uns waren. Die Festtage Allerheiligen und Allerseelen, der Volkstrauertag oder auch der Totensonntag lassen uns diese Verbindung zu unseren Verstorbenen leichter finden.

In diesem Monat ist unser Glaube an die Auferstehung gefordert. Dieser Glaube gibt uns die befreiende Gewissheit, dass nichts, was wir in unserem leibhaften Dasein tun, vergeblich getan ist, und er ruft uns auf, jeden einzelnen Augenblick als ein Samenkorn der Ewigkeit zu sehen und zu leben. Unser Tod mag der Schlusspunkt hinter unseren Erfolgen, unserer Produktivität, unserer Bekanntheit unter den Menschen sein, aber er ist nicht der Schlusspunkt unseres Fruchtbarwerdens. Das Gegenteil ist wahr: Die Fruchtbarkeit unseres Lebens erweist sich erst voll nach unserem Tod. Wir selbst sehen oder erfahren nur recht selten, dass unser Leben und Wirken fruchtbar ist. Oft sind wir zu sehr auf das fixiert, was wir zustande bringen und haben kein Auge für die Fruchtbarkeit unseres Lebens an sich. Aber das Schöne am Leben ist, dass es noch lange nach seinem Ende fruchtbar weiterwirkt.

So ist für mich diese Wahrheit im Weizenkorngleichnis besonders tief ausgedrückt, wenn Jesus sagt: ‚Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht’ (Joh 12,24).

Darin liegt das Geheimnis des Todes Jesu und des Todes aller Menschen, die in seinem Geiste gelebt haben.

Möge uns der Monat November dieser Wahrheit ein wenig näher bringen. Das wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Rudolf Liebig