Anschreiben 03/2009

Liebe Pfarrgemeinde!

Mit dem Monat März beginnt nun die Fastenzeit oder besser die österliche Bußzeit. Es ist in unserer Pfarrgemeinde immer wieder eine sehr dichte Zeit, die geprägt ist von vielen Aktivitäten und großen liturgischen Feiern, wozu ich Sie schon jetzt recht herzlich einladen möchte. Genaueres können Sie dem erstmals beiliegenden Faltblatt entnehmen, das Sie über die Veranstaltungen bis zum Osterfest in einem Teil unseres Pastoralverbundes ausgiebig informiert.

‚Fastenzeit’ – was meint dieses Wort eigentlich? In meinen jungen Jahren verband ich damit eher eine Last ‚etwas hinkriegen zu müssen’ oder ‚Fasten als Verzicht’. – Und das soll dann die Vorbereitung auf Ostern sein?

Ich denke, das kann nicht der rechte Weg sein, sich auf die Auferstehung Jesu vorzubereiten. Es muss vielmehr ein ‚Lebensweg’ sein oder ein ‚Aufbruch’. So ist für mich in den letzten Jahren ein anderer Gedanke wichtig geworden, mit dem ich mehr anfangen kann: Mein Leben läuft in gewissen Strukturen, in gewissen Ordnungen ab. Die sind oft sehr hilfreich und können mich dabei unterstützen mein Leben im Sinne eines neuen Aufbruchs oder als eine ‚Quelle des Lebens’ – wie es unser Jahresleitwort ausdrückt – zu gestalten.

Strukturen neigen nämlich dazu, sich zu verfestigen, und dann können Dinge, die einmal hilfreich waren, schnell zu ‚Gefängnissen’ meines Lebens werden. Dann sind die Strukturen plötzlich keine Hilfe mehr, sondern werden zur Fessel.

Und genau das ist für mich die Herausforderung, die Fastenzeit eigentlich meint: Etwas an meinen bestehenden Ordnungen ändern, damit mein Leben wieder neu in Bewegung kommt und sich damit vielleicht neu ordnen kann.

Es geht in der Fastenzeit nict um ein Verzichten um des Verzichtens willen, sondern es geht darum, das neu einzuüben, was mir im Alltag hilft, lebendiger zu werden.

Das kann für diejenigen, die viel arbeiten, ein Spaziergang sein, für einen anderen die Gelegenheit den Fernseher abzustellen und ein Buch zu lesen. Den Einfällen sind hier keine Grenzen gesetzt.

Nutzen Sie diese Zeit einfach als eine Herausforderung, als eine Chance, etwas von dem wegzunehmen, was uns von Gott trennt. Eine Chance, etwas anders zu machen, damit etwas anders werden kann.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete österliche Bußzeit. Möge es für Sie eine Zeit des neuen Aufbruchs werden.

Das wünscht Ihnen Ihr Pfarrer
Rudolf Liebig