Prinz beugt des Pfarrers Knie

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Künzeller Kirche voller Karnevalisten (von Hermann Diel) – Für ungewohnte Klänge und eine volle Sonntagskirche sorgte das Prinzenpaar Sandra II und Simon LV samt Gefolge in der St. Antonius Pfarrei in Künzell. Am Fastnachtssonntag wird das Hochamt traditionell vom Geselligkeitsverein GVK mitgestaltet. Dank der frommen Narren waren die Bänke bestens besetzt. Pfarrer Rudolf Liebig erwies sich dabei ebenfalls als großer Karnevalist, machte die Kanzel zur Bütt und predigte in Reimform. Eines der vielen Zeichen der Verbundenheit von Karneval und Kirche in Künzell: Zahlreiche Gardisten und Musiker der GVK Musiktruppe sind Messdiener, ebenso das Kinderprinzenpaar. Vor diesen Tollitäten ging Pfarrer Rudolf Liebig gar in die Knie. Allerdings nicht, um zu huldigen, sondern um einen Orden entgegen zu nehmen. Das Kinderprinzenpaar Melina und Nico zeichnete den Pfarrer mit einer Anstecknadel aus – und bedankte sich bei den GVK-Musikern und dem Organisten Jürgen Mackenrodt für die Gottesdienstgestaltung. Eines aber blieb auch am Fastnachtssonntag in Künzell wie gewohnt: Am Ende hieß es „Amen“ und nicht „Helau“.

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Zum Nachlesen: Die Büttenpredigt von Pfarrer Rudolf Liebig:

Liebe Schwestern und Brüder, es ist wieder soweit
Ringsherum ist Fastnachtszeit:
Tagaus, tagein hört man von Klagen
Und quält sich mit des Lebens Plagen.
Da ist es gut, vom Herrn zu hören,
dass nicht die Last soll uns betören
um all die Dinge, die im Leben
uns sorgen und geh’n auch daneben.
Er hält uns fest in seiner Hand,
wie’s Väter tun – das ist bekannt.
Wenn wir uns daran oft erinnern,
dann kann es uns doch wohl gelingen,
auch mal ein Lächeln zu riskieren
und Freud’ zu finden –schon hernieden!

An Fastnacht, so ist es Brauch,
sagt man mit einem Lächeln auch,
was alles so im Lebenslauf
nicht korrekt und auch worauf
man andere doch mal will bringen,
ja, mit Humor sie etwas zwingen.

Ich denk’ an das, was heut und morgen
Bei manchen so vertrieb die Sorgen
Und was sie – irrig – nennen Spaß;
Sie meinen, Alkohol ohne Maß,
hätt’ mit der Freude was zu tun
und sei – wer glaubt das wirklich nun? –
ein Mittel, womit jedem klar,
dass man ein Kind der Freude war.

Doch das, ihr Lieben, stimmt doch nicht!
Blickt man doch nur in ihr Gesicht,
das von Alkohol verzerrt,
hört ihre Stimme, die nur plärrt,
was man sollt besser überhören,
wofür sie selbst sich morgen schämen –
dann sag’ ich: Nein, ich danke schön!
Ich will ganz gerne widersteh’n
Der Sorte traurigen Humor!

Das stell ich mir ganz anders vor,
wenn Menschen aus des Herzens Freude
an allen Tage – drum auch heute –
nicht brauchen Unmengen von Nass,
um aller Welt zu zeigen, dass
es sich fürwahr für jeden lohnt
zu leben, und trotz aller Not,
Vertrauen in das Morgen haben.
An dem Humor kann ich mich laben!

Ich denk’, ihr werdet’s mir verzeih’n,
wenn ich die Christen aus unsern Reih’n,
auch einmal ganz besonders mahne,
– besonders die Junge –
ganz allgemein bei frohen Tagen,
wenn sie bis früh am Morgen toben,
am Sonntag trotzdem Gott zu loben.
Denn das – gebt’s zu – sind keine Sachen,
wenn Zeit man hat für Feier, Lachen,
doch dann, beim Gottesdienst verhindert,
den Tag des Herrn mit Kater schindet!

Ich denk’ auch an so manche Christen,
die prinzipiell, als ob sie’s müssten,
zu jeder Messe sind zu spät.
Wer unter uns wohl jemals rät,
warum die Uhren mancher Leute
zu spät geh’n, nicht per Zufall heute,
jedoch bestimmt an allen Tagen,
wo Gott sie lädt zum heil’gen Mahle?
Verpassen sie doch den Beginn,
erfahren nie, worin der Sinn
gerade dieser Feier liegt.

Dazu kommt auch noch, dass es stört,
wenn immer noch die Türen knalle,
wenn längst die Feier angefangen!
Zum Mittagessen – wetten, dass? –
Sich keiner verdirbt den Spaß,
nicht prinzipiell sein Schritt erst hallt,
wenn die Suppe längst schon kalt!

Und schließlich dacht’ ich mir, beim Euro
Müsst es doch anders sein, das Geld sei nicht mehr klein.
Aber was seh’ ich die Roten doch noch im Klingelbeutel liegen.
Was kann man selbst beim Euro noch dafür kriegen?!
Kein’ Liter Heizöl, keine Kerze!
Vielleicht geschieht es auch zum Scherze,
weil man sich selbst pfiffig glaubt
und denkt: Ich bin ’ne schlaue Haut
und muss ja absolut nicht wisssen,
dass andere durch Spenden büßen,
was ich zu wenig sonntags geb.

Denn Inflation und Euro-Teuro, blieb auch nicht steh’n
Vor unser aller Kirchenpforte.
Die Inflation ist von der Sorte,
dass hier wie draußen ist ebenso wie an der Mark am Euro
auch nicht mehr viel dran!