Kirche muss zu den Menschen in den Milieus

Katholikenratsvollversammlung zur Umweltthematik, Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke berichtet zur Lage des Bistums

„Ohne Gott ist Zukunftsfähigkeit in vollem Sinne nicht denkbar“. Mit ihrem Impulsreferat wies die Umweltbeauftragte des Bistums Fulda, Dr. Beatrice van Saan-Klein, vor dem Fuldaer Katholikenrat darauf hin, dass der Mensch sein Handeln für die Bewahrung der Welt und der Natur letztlich vor Gott verantworten muss. Auf der Katholikenratsvollversammlung am vergangenen Wochenende im Fuldaer Bonifatiushaus stand neben der Bewahrung der Schöpfung der Bericht des Generalvikars Prof. Dr. Gerhard Stanke zur Lage des Bistums und die Diskussion über die Arbeitsfähigkeit der Projektgruppen auf dem Programm des Laiengremiums.

Es sei eine Aufgabe der Kirche, eine neue Verständigung über die tragenden Grundwerte des Lebens anzuregen und die Nachhaltigkeit menschlichen Handelns als Konsequenz aus dem Glauben an Gott als Schöpfer in den gesellschaftlichen Dialog einzubringen, erklärte die Umweltbeauftragte. „Aus christlicher Sicht gehören Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammen. Der wichtigste Maßstab der Kirche für die ethische Bewertung menschlichen Umwelthandelns ist die Schöpfungsgerechtigkeit, die sich am Wohl der Schwächsten orientiert“, so van Saan-Klein. Die Umweltbeauftragte der Diözese Fulda stellte verschiedene Handlungsfelder vor, in der auch die katholische Kirche und besonders das Bistum Fulda nachhaltige Entwicklungen fördert. An konkreten Beispielen zeigte die Umweltbeauftragte, wie Grundeigentum nachhaltig bewirtschaftet wird, der Artenschutz in kirchlichen Gebäuden und auf kirchlichem Grund vorangebracht werden, sowie die Energieeinsparung und die Verwendung erneuerbarer Energien gefördert werden kann. Besonders wies die Umweltbeauftragte auf die Energieerfassungsformulare hin, mit der ab sofort im Bistum Fulda der Verbrauch an Strom, Wasser und Heizenergieträgern in den kirchlichen Gebäuden des Bistums erhoben werden soll, um durch mehr Aufmerksamkeit Energieeinsparung gezielt möglich zu machen. „Der Katholikenrat will das Thema ‚Bewahrung der Schöpfung’ mit einem eigenen Projekt voranbringen. Die Projektgruppe beabsichtigt, eine Checkliste für energieeffizientes Modernisieren kirchlicher Gebäude zu erstellen und außerdem der Umweltbildung im kirchlichen Raum stärkere Beachtung zu verschaffen“, so Richard Pfeifer (Biebergemünd-Kassel), Vorsitzender des Katholikenrates.

In seinem Bericht zur Lage des Bistums erläuterte Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke am Samstagmorgen die finanzielle Situation des Bistums. Die Kirchensteuereinnahmen würden nach derzeitigen Schätzungen im Jahr 2009 um ca. 5,2 Millionen, in 2010 um 8,9 und 2011 um 9,5 Millionen Euro zurückgehen. Dies seien die geschätzten Einnahmeverluste aufgrund der Veränderung gesetzlicher Vorgaben. Hinzu kämen weitere Rückgänge von Kirchensteuernmitteln, die durch die Arbeitslosigkeit verursacht würde, wenn sie weiter steigt. Insgesamt bedeute dies, dass die finanziellen Gestaltungsspielräume für das Bistum Fulda eingeengt würden. Das Bistum sei durch die derzeitige Finanzkrise zwar nicht ungeschoren, aber ohne größeren Schaden hindurch gekommen. Dies liege an der vorsichtigen Anlagepolitik des Bistums.

Bezüglich der Kirchenaustritte erklärte der Generalvikar, die Zahlen seien in den letzten Jahren relativ konstant. Im Jahr 2007 seien z. B. 1.500 Kirchenaustritte zu verzeichnen gewesen, wohingegen 250 Übertritte und Wiederaufnahmen stünden. Die Zahl der Katholiken des Bistums sei zwischen 2000 von 447.431 auf 419.258 Katholiken in 2008 gesunken. Man müsse feststellen, dass die Katholikenzahl des Bistums jährlich in der Größenordnung einer Gemeinde, also um ca. 3.800 Personen zurückgehe. Dieser Rückgang komme neben der Zahl der Kirchenaustritte vor allen Dingen dadurch zustande, dass die Sterbefälle die Zahl der Taufen überstiegen.

Bezüglich der Anzahl der pastoralen Mitarbeiter referierte der Generalvikar, dass die Zahl der Priester von 2003 (190) auf 160 im Jahr 2008 gesunken sei. Die Zahl der Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten sei von 96 im Jahr 2003 auf 116 im Jahr 2008 gestiegen. Man könne feststellen, dass das hauptamtliche Personal im Bistum sich kaum verringert habe, dass sich aber die Einsatzstruktur durch die Verschiebung von Priestern verändere, gleichzeitig aber die Zahl der Katholiken stetig zurückgehe. Die Relation von Hauptamtlichen zu Katholiken sei konstant geblieben.

Der Generalvikar warb für den Pastoralen Prozess des Bistums. Nachdem die Strukturveränderung des Bistums zum Abschluss gekommen sei, gehe es nun darum, inhaltliche Vorgaben für die pastorale Arbeit in den neuen Pastoralverbünden zu entwickeln. Das Bistum habe deshalb ein Projekt „Lebensraumorientierte Seelsorge – missionarisch Kirche sein“ angestoßen. Mit Hilfe der Ergebnisse der Sinus-Milieu-Studie und den Daten der Mosaik-Milieus solle die pastorale Wirklichkeit neu in den Blick genommen werden. Das vom Bistum angeregte Projekt sei im vergangenen Jahr mit Dekanatskonferenzen gestartet worden und gehe nun nach intensiver Diskussion in den Pastoralverbünden mit dem geplanten Bistumstag am 3. Juli 2009 in eine weitere Phase. Als besondere Aufgabe bezeichnete es der Generalvikar, dass Kirche an den Orten präsent ist, wo Menschen zusammen kommen. „Eucharistiefeiern sind die für den Bestand unserer Gemeinden von entscheidender Bedeutung. Es reicht aber bei weitem nicht aus, in einer einladenden Haltung zu verharren und sich zu beklagen, dass immer weniger Menschen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen wie Gruppenstunden und Pfarrfesten kommen.“ so Generalvikar Stanke. Vielmehr sei es notwendig, dass Kirche soziale Orte aufsuche, an denen Menschen sich treffen und ihren Alltag gestalten. Es komme zudem darauf an, Menschen zu finden, die zu den gesellschaftlichen Milieus hingehen.

Im Anschluss an das Referat des Generalvikars beriet der Katholikenrat über das weitere Vorgehen der Projektgruppen. Der Bericht des Vorsitzenden und die Beratung über die vorliegenden Anträge, schlossen die Tagung des Katholikenrates ab. Dabei sprach sich der Katholikenrat vor allen Dingen für eine Stärkung des Umweltengagements des Bistums aus. Der Fortschritt in der Ökumene und die Weiterarbeit an den Ergebnissen des für kommenden Mai geplanten Ökumenischen Kirchentages, waren ein weiteres Anliegen des Katholikenrates, dem mit großer Mehrheit zugestimmt wurde.

Quelle: Katholikenrat im Bistum Fulda, Redaktion: Mathias Ziegler, katholikenrat@bistum-fulda.de