Passionsspiele in St. Antonius Künzell

Einmal den Spuren Jesu in Jerusalem folgen – ein Herzensanliegen von mir. Doch nicht alle Wünsche des Lebens erfüllen sich…oder auf ganz andere Art und Weise, wie man es sich vielleicht erhofft hatte…..

Diese Erfahrung machte ich, als ich in der Fastenzeit zur Einstimmung der Karwoche die Passionsspiele der Jugendgruppe und des Kreises der jungen Erwachsenen Steinhaus/Steinau in der St. Antonius Kirche Künzell miterleben durfte.

Zu Beginn wurden wir von den 29 jungen Leuten auf einen Marktplatz in Jerusalem gebracht und es dauerte gar nicht lange, bis ich die marktschreierischen Händler und Ihr Vieh hören konnte.

Es ist kurz vor dem Paschafest und es herrscht überall ein lebhaftes Treiben, besonders, weil einige in diesen Tagen die Ankunft ihres Messias erwarten. Welch eine Aufregung als die Menschen Jesus in die Stadt kommen sehen und ihm voller Begeisterung mit ihren Palmwedeln entgegen jubeln. In erwartungsvoller Freude stehe ich plötzlich mitten unter ihnen. Die Liebe und Güte, die aus seinen Augen und seinen Gesten spricht, überwältigt. Er heilt Kranke, spricht mit und von Gott und verheißt den Menschen das Leben in seiner ganzen Fülle. Doch wie schnell verebbt die Begeisterung als ihr Erlöser von dem steinigen Pfad des Leidens und Sterbens und von der Liebe zu den Feinden spricht. So hat sich Judas das nicht vorgestellt. Er hoffte auf einen der mit Schwert und machtvollen Worten den Unterdrückten zu ihrem Recht verhilft, dieser Jesus, den er so lange begleitet hatte, erfüllt nicht seine Erwartungen. Auch Simon Petrus wird ängstlich, als sie seinen Herrn festnehmen und verleugnet den Freund, dem er kurz zuvor noch so lautstark versichert hatte, für ihn sogar sterben zu wollen. Und so wird Jesus von Nazareth durch die Hohenpriester der Gotteslästerung bezichtigt und durch die Hände des Pilatus zum Tode verurteilt. Unverstanden und allein geht der Sohn Gottes seinen schwersten Weg. Den Weg durch Verrat, Geißelung und Spott, den Weg auf Golgotah. Doch halt – aus der Menge heraus wird ihm ein Tuch entgegengestreckt. Jemand tupft behutsam den Schweiß und das Blut von seiner Stirn und Jesus dankt es dieser Frau mit dem einzigen, was ihm geblieben ist – einem Abdruck seines Schmerzes im Leinentuch der Veronika.

Doch bald verlassen ihn auch die letzten Kräfte und er stürzt unter der drückenden Last des Kreuzes zu Boden. Die gnadenlose Peitschenhiebe der Soldaten treiben ihn immer wieder an bis er völlig erschöpft zum dritten Mal zusammenbricht. Da zwingen sie einen aus dem gaffenden Volk mitanzupacken und das Kreuz mit Jesus bis zur Schädelhöhe zu schleppen. Meine erwartungsvolle Freude wandelt sich in grenzenlose Trauer beim Anblick des Messias.

Was haben wir ihm angetan, dem Sohn Gottes? Der Mann, aus dem zeitlebens die reine Liebe sprach, wird durch rohe Gewalt und himmelschreiende Ungerechtigkeit grausam hingerichtet. Ich erkenne mich selbst in der grölenden Menge, in Judas und in Simon Petrus und mich drückt die eigene Schuld tief zu Boden. Seine letzten Worte sind ein einziger Schrei. Ein Schrei nach dem „Warum“ . Auch ich kenne diese Frage und es ist, als ob uns diese einfache Frage miteinander verbindet. Sie befähigt, das Leid des anderen zu teilen. Er mit mir und ich mit ihm. In seiner Leidensgeschichte kommt er mir so nah und ich höre die Worte „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ und ich bin beschämt angesichts seiner grenzenlosen Liebe zu mir.

Gern würde ich seine Tränen trocknen wie Veronika oder seinen zerschundenen Körper in den Armen wiegen wie seine Mutter Maria. Doch ich bin nur Zuschauer. Oder?!? Ich erinnere mich an seine Botschaft „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.“ und in mir keimt der Wunsch ihm zu folgen, alle Tage meines Lebens… mit der Last meines Kreuzes…

Mit den verheißungsvollen Worten des Auferstandenen „Ich gehe zu meinen und zu Eurem Gott, zu meinem Vater und zu Eurem Vater“ verlassen wir Jerusalem, doch die bewegende Darstellung der Heilsgeschichte Gottes hat uns nicht nur tief berührt, sie hat etwas in uns hinterlassen, was wir mit nehmen konnten. Mit zurück nach Künzell.

Die Passion des Jesus von Nazareth, auf eindrücklichste Weise durch die Jugendgruppe und den Kreis junger Erwachsener Steinhaus/Steinau dargestellt, hat unsere Seelen erreicht. Hat Freude, Trauer und Schuldgefühle ausgelöst und das tiefe Vertrauen in die unerschöpfliche Quelle seiner Liebe zu uns Menschen geweckt.

Ein herzliches Dankeschön allen Mitwirkenden für die bewegende Darstellung. Es war, als ob ein Stück Jerusalem mitten unter uns war….hier in Künzell und ich hoffe, dass dieses tiefgreifende Ereignis SEINE Spuren in uns lebendig hält.

Katja Schmidt

Einige Bilder der Aufführung im Hünfelder Kloster finden Sie hier…