Anschreiben 05/2009

Liebe Pfarrgemeinde!

Der Monat Mai ist geprägt von zahlreichen Maiandachten, aber auch von den Bittprozessionen um das Fest Christi Himmelfahrt. Zu beidem möchte ich Sie ganz herzlich einladen.

Unsere Flurprozession an Christi Himmelfahrt bekommt in diesem Jahr ein verändertes Gesicht. – Es sollen zur Prozession an Christi Himmelfahrt wie-der vier Altäre errichtet werden, von denen der Segen Gottes über Feld und Flur in die vier Himmelsrichtungen gespendet werden kann. Dieser Brauch entspricht unserer heutigen Glaubenspraxis, die sich in ihrem betenden und singendem Unterwegssein durch Ort und Zeit als ‚wanderndes Gottesvolk versteht, das seinem ewigen Ziel entgegenstrebt’.

Die Bittprozessionen mit Wettersegen von Montag bis Mittwoch in der Bitt-woche an verschiedenen Altären haben im fuldischen Land seit dem 17. Jahrhundert ihre Tradition. Mittelpunkte dieser Tradition bildeten der Frau-enberg, Kleinheiligkreuz und Haimbach (Markusprozession).

In dieser Zeit sahen unsere Vorfahren in Naturereignissen noch ein unmit-telbares Wirken höherer Mächte. Gegen Bedrohungen, gegen die sie aus ei-gener Kraft wehrlos waren, versuchten sie, himmlische Mächte aufzubieten. Das geschah in erster Linie durch flehentliches Gebet. Zur Unterstützung wurden aber auch sichtbare Zeichen eingesetzt. So zog man einem drohen-den Gewitter unter Gebet mit einer Kreuzreliquie (einem kleinen Holzstück aus dem Kreuz, das als Kreuz Jesu von der heiligen Helena in Jerusalem aufgefunden worden war und in der Regel in einem wertvollen Gefäß in Form einer kleinen Monstranz verehrt wurde) oder dem Allerheiligsten ent-gegen und zeichnete segnend ein Kreuz in vier Himmelsrichtungen.

Aus dieser besonderen Form des Wettersegens entwickelte sich ein allge-meiner Wettersegen, der von Kreuzauffindung (3. Mai) bis Kreuzerhöhung (14. September) täglich nach der Messfeier erteilt wurde. Natürlich liegt hier der Gedanke nahe, dass ‚fromme’ Gegenstände gleichsam magisch wirken könnten gegen Gefahren. Deshalb sieht das heutige Messbuch ein ‚Segens-gebet über das Volk’ mit der Bitte um Bewahrung vor Schaden durch Unwet-ter mit einem dreigliedrigen Wettersegen vor.

Diesen Segen für Garten und Flur wollen wir in zwei Flurprozessionen erbit-ten. Die erste Prozession wird am Montag der Bittwoche in Keulos stattfin-den und zwar nach einem Bittgottesdienst am Muttergottesbildstock. Die zweite wollen wir in Künzell halten, nach einem Gottesdienst von unserer Antoniuskirche aus zu dem neu errichteten Bildstock in der Dirloser Straße.

Die große Flurprozession am Fest Christi Himmelfahrt wird einem ähnlichen Weg wie bisher folgen. Der erste Altar soll am Lannesküppel sein, der zweite am Noppen, der dritte am Bildstock in Keulos (Ecke Flurstraße/Am Haidhof) und der vierte vor der Antoniuskirche.

Ich freue mich mit vielen Mitchristen auf diese Tage und danke Ihnen für Ihr Mitgehen und Mitbeten in diesen Tagen.

Ihr Pfarrer Rudolf Liebig