Kirche gegen Weihnachtsverkauf

Katholikenrat und katholische Verbände besorgt über Vorreiterrolle Fuldas bei Verkaufsöffnung am 27. Dezember

Fulda, Hanau, Marburg, Kassel (mz) Die Entscheidung des Fuldaer Magistrats, den 27. Dezember 2009 als verkaufsoffenen Sonntag in Fulda zu genehmigen, haben der Fuldaer Katholikenrat und die großen katholischen Sozialverbände, Kolpingwerk und Katholische Arbeitnehmerbewegung, heftig kritisiert. Die Probleme des innerstädtischen Einzelhandels seien die direkte Folge politischer Entscheidungen für die großflächigen Einkaufszentren, wie zum Beispiel die Kaiserwiesen. Die Verkaufsöffnung am Sonntag direkt nach Weihnachten sei für Fulda, in der Christdemokraten eindeutig die politische Verantwortung haben, unchristlich, sie ignoriere die Bedürfnisse von Familien und der Menschen, die arbeiten müssen, und sei absolut geschmacklos.

„Der Magistrat muss sich fragen lassen, ob er mit dieser Entscheidung dem Fuldaer Image mehr schadet als nutzt“, so der Katholikenratsvorsitzende Richard Pfeifer (Biebergemünd-Kassel). Die Entscheidung, an dem auf das Weihnachtsfest direkt folgenden Sonntag die Geschäfte zu öffnen, bedeute, dass zahlreiche Vorbereitungsarbeiten für den Sonntag schon an den Feiertagen vorher getätigt werden müssten. Nicht nur die (Um-) Dekoration und die Verkaufsvorbereitung in den Geschäften, sondern auch die Anlieferung der benötigten Waren müssten vorab, also an den Feiertagen bzw. am frühen Sonntag laufen. Für zahlreiche Beschäftigte wird damit die Sonntagsruhe aufgehoben und in die davor liegenden Weihnachtsfeiertage eingegriffen. Man müsse den Magistrat fragen, welche Interessenabwägung getroffen und warum die von zahlreichen Kirchenvertretern vorgetragenen Bedenken ignoriert worden seien. Anfang dieser Woche erst habe zum Beispiel Bischof Algermissen dazu aufgerufen, „um Gottes und der Menschen willen den Sonntag von allem freizuhalten, was ihn einem Werktag, einem Arbeitstag gleichschaltet“.

Gerade in letzter Zeit sei festzustellen, dass nicht nur in Fulda versucht werde, die Randzeiten kurz vor oder nach hohen kirchlichen Festen mit Verkaufsevents zu belegen.

„Ob ein Mitternachtsshopping an Gründonnerstag – wie wir es 2008 in Kassel und Hanau erlebten – oder ein Verkaufsfest am Tag nach Weihnachten – wie es die Stadt Fulda für dieses Jahr offensichtlich plant – dem veränderten Freizeitbewusstsein der Menschen wirklich entspricht, die Innenstädte belebt und letztlich Arbeitsplätze rettet, muss zumindest in Frage gestellt werden,“ so Steffen Flicker, Vorsitzender des Diözesan Kolpingverbands und stellvertretender Vorsitzender des Katholikenrates, Fulda. Der Fuldaer Katholikenrat hat nach den Worten von Richard Pfeifer schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass verkaufsoffene Sonntage die Attraktivität der Innenstädte nicht wirklich steigern. Die Attraktivität der Fuldaer Innenstadt müsse durch geeignetere Maßnahmen wachsen. Die Möglichkeiten von Kinderbetreuung, die Ausstattung der Innenstadt mit Grünstreifen, Fahrradwegen und Sitzgelegenheiten im Freien und die gute Erreichbarkeit von bezahlbaren Parkplätzen, gerade für Familien mit Kindern, seien mittelfristig dienlicher als der Versuch, Kunden zurückzugewinnen, die man wohl an die Einkaufszentren am Stadtrand verloren habe, so Pfeifer.

„Niemand braucht sich jetzt zu wundern, wenn der Ruf nach einer Belebung der Innenstadt gerade angesichts der Einkaufmöglichkeiten in den Fuldaer Kaiserwiesen und am Petersberg immer lauter wird. Das sind die Folgen politischer Entscheidungen der Vergangenheit. Dass Fulda in dieser Situation auch noch Vorreiter für eine Verkaufsöffnung am 27. Dezember wird, ist für uns Christen bedrückend. Man kann sich einer gewissen Geschmacklosigkeit nicht erwehren, wenn man von dieser Entscheidung hört,“ so Michael Schmitt, Geschäftsführer des KAB-Diözesanverbandes Fulda. Geschenke und Geldgutscheine könne man schließlich noch am 28. Dezember und später eintauschen, die Attraktivität der Innenstadt werde durch eine Verkaufsöffnung am 27. Dezember mit Sicherheit nicht steigen. Der Stadt Fulda seien für die Zukunft Entscheidungen zu wünschen, die in anderer Richtung vorbildlich seien, so Richard Pfeifer abschließend.

Quelle: Vorstand des Katholikenrates im Bistum Fulda, Paulustor 5, 36037 Fulda – Redaktion: Mathias Ziegler, E-Mail: katholikenrat@bistum-fulda.de