Anschreiben 05/2010

Liebe Pfarrgemeinde!

‚Der Mai ist gekommen…’ so singen wir und viele sind froh darüber, weil endlich der lange Winter vorüber ist und die Natur erwacht. – Der Monat Mai ist im liturgischen Lauf des Kirchenjahres auch ein Marienmonat. Ich persönlich freue mich über die zahlreichen Maiandachten in unseren Pfarrgemeinden St. Antonius und St. Pius und lade Sie dazu recht herzlich ein. – Wir Katholiken werden allerdings nach wie vor mit dem Vorwurf konfrontiert, wir würden in solchen Andachten Maria ‚anbeten’ und es wird gesagt, dass dies ein Widerspruch gegen das erste Gebot darstellen würde. Ebenfalls würde es die Bibel ablehnen, Tote anzurufen. – Tatsächlich aber glauben wir: Maria ist nicht tot. Nichts ist lebendiger als ein toter Heiliger. Maria ist in ‚der Gemeinschaft der Heiligen’ mit der Kirche verbunden. Es entspricht alter katholischer und orthodoxer Frömmigkeitspraxis, sie auch direkt anzusprechen. Man nennt dies ‚Anrufung’. Gemeint ist damit das ganz ‚familiäre’ Gespräch, wie man eben eine Mutter anspricht. Dazu gehören der Gruß, die Seligpreisung und die vertrauensvolle Bitte um die Fürsprache Mariens, bis hin zur liebenden Hingabe an sie. Das geschieht natürlich in Gebetsform. Ein an Maria gerichtetes Gebet ist jedoch der Sache nach etwas ganz anderes als Anbetung. Anbetung gebührt allein Gott, dem Schöpfer und Erlöser des Menschen. Maria selbst ist das beste Beispiel, wie ein Mensch aus ganzem Herzen Gott anbetet. Echte Marienverehrung führt hin zur Anbetung Gottes und zu einem Leben nach seinem Willen. – Ich wünsche Ihnen und uns allen in dieser Hinsicht gesegnete Maitage sei es bei den Maiandachten oder auch unseren zahlreichen Prozessionen, die dann wahrhaftig einen anbetenden Volkscharakter haben.

Ihr Pfarrer Rudolf Liebig