Anschreiben 06/2012

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Pfarrgemeinde St. Antonius!

In diesem Jahr 2012 feiern wir die 100-jährige Wiederkehr der Errichtung unserer Pfarrgemeinde St. Antonius, die wir in den Tagen vom 15. bis 17. Juni in besonderer Weise begehen wollen. Das genaue Programm dieser Festtage können Sie diesem Pfarrbrief entnehmen.

Ich lade Sie zu diesen Festtagen – vor allem aber zum Pontifikalhochamt mit unserem Diözesanbischof Heinz Josef Algermissen am 17. Juni ganz herzlich ein.

Ursprünglich gehörte Künzell zur Pfarrgemeinde Florenberg. Nachdem am 25. August 1902 die neue Kirche durch Bischof Adalbert Endert eingeweiht und Künzell-Keulos am 01.08.1908 schon zur Kuratie erhoben wurde, errichtete Bischof Josef Damian Schmitt mit Errichtungsurkunde vom 14. März 1912 die Pfarrgemeinde St. Antonius. Diese Urkunde trat mit staatlicher Genehmigung am 31. März 1912 in Kraft.

Als erster Pfarrer wurde Pfarrer Emil Ruez am 01. Juni 1912 ernannt und am 12. Juni festlich in sein neues Amt eingeführt.

So lautete die Errichtungsurkunde wie folgt: ‚Nach Anhörung der Beteiligten und unter canonischer Zustimmung des Domkapitels von Fulda bestimme ich, wie folgt: 1. Die Katholiken der Gemeinde Künzell und Keulos werden aus dem Pfarrverband Florenberg entlassen, sie scheiden mit allen Rechten und Pflichten aus der Mutterpfarrei aus und werden zu eigenen selbständigen Pfarrei mit Sitz in Künzell vereinigt. – 2. Die Grenzen der neuen Pfarrei Künzell decken sich mit den Gren-zen der politischen Gemeinden Künzell und Keulos. – 3. Die Kirche zu Künzell wird zur Pfarrkirche erhoben mit allen einer Pfarrkirche zustehenden Rechten. – 4. Der Pfarrer hat Anspruch auf das im Gesetze vom 26. Mai 1909 normierte Mindesteinkommen und die darin festgesetzten Dienst- und Alterszulagen. – Soweit die Pfarrgemeinde Künzell zur Aufbringung dieses Diensteinkommens über 1.500 M hinaus unfähig ist, wird der Fehlbetrag zu einer Hälfte aus dem gemeinsamen kirchlichen Hilfsfonds der Diözesen Preußens durch den Bischöflichen Stuhl gewährleistet unter der Voraussetzung, dass die andere Hälfte aus staatlichen Mitteln bewilligt wird. – Die vorstehende Pfarrei-Errichtungsurkunde tritt mit staatlicher Genehmigung am 31. März 1912 in Kraft. – Fulda, den 14. März 1912 – Der Bischof von Fulda – Gez. Jos. Damian Schmitt’*

Es ist wichtig, dass wir aus der Geschichte leben. Gilt es doch den religiösen Kräften unserer St. Antoniusgemeinde nachzuspüren, die sich unter anderem in den Wechselwirkungen zwischen Staat und Kirche ergeben.

Allerdings zeigen sich diese Kräfte auch und vor allem im Lebensfluss der einzelnen Gläubigen mit seinen kirchlichen Gemeinschaften. Deshalb gilt es gerade in Jubiläumszeiten dankbar zurück zu schauen, um aus dieser ‚Rückblende’ die Zukunft zu gestalten.

In der Kirche ‚vor Ort’, das heißt in der Pfarrgemeinde bildet sich Kirchengeschichte ab. Dabei kommt der Ortsgeschichte stets eine besondere Bedeutung zu. Schließlich lesen wir hierzu schon in der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils folgendes: ‚Die Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen örtlichen Gemeinden der Gläubigen anwesend, die in Verbindung mit ihren Hirten auch selbst im Neuen Testament Kirchen genannt werden. … In ihnen werden durch die Verkündigung der Frohbotschaft Christi die Gläubigen versammelt, in ihnen wird das Mysterium des Herrenmahles begangen. … In diesen Gemeinschaften ist, auch wenn sie oft klein und arm sind oder in der Zerstreuung leben, Christus gegenwärtig, durch dessen Kraft die eine, heilige katholische und apostolische Kirche versammelt wird’ (LG 26).

So danken wir unseren Vorfahren, allen Geistlichen und pastoralen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, dass sie in den vergangenen 100 Jahren dafür gesorgt haben, dass man sich in der Kirche ‚vor Ort’ versammelt hat, um das Wort Gottes zu hören und die Hl. Eucharistie zu feiern. Damit wurde, wie oben zitiert, Christus gegenwärtig gesetzt, ja er war lebendig und greifbar für viele Menschen in ihrem konkreten Leben.

Möge dieses Leben in einer Zeit, die es im kirchlichen Bereich wahrlich nicht leicht hat, in den nächsten Jahrzehnten in unserer St. Antonius-gemeinde weiter pulsieren.

Das wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer
Rudolf Liebig