Glauben ernst nehmen

Der breite Bogen der Lesungen des heutigen Sonntags stellt uns vor eine wichtige Frage: Wie ernst nehmen wir unseren Glauben? Finden wir uns nicht zumindest hin und wieder auf dem in der ersten Lesung kritisierten “Fest der Faulenzer” und kommt uns der ungnädige Reiche aus dem Evangelium nicht verdächtig vertraut vor? Sicher dürfen wir uns angesprochen fühlen durch Pauli aufmunternde Ermahnung an Timotheus, den eigenen Auftrag gewissenhaft auszuführen. Wir können uns dem kaum entziehen, da es nicht irgendein Auftrag ist, sondern der Auftrag Gottes für uns. Zudem ist es ein von Paulus klar gefasster Auftrag – es geht um Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut. Ob unsere Lebenspraxis mit der Theorie unseres Glaubens in Deckung bleibt, lohnt der Überprüfung – auch wenn diese auch einen schmerzhaften, von Verzicht auf Liebgewonnenes und Entdeckung von neuem Herausfordernden sein kann: Es ist im besten Sinne ein gerechter, vor allem in uns selbst dauerhaft stattfindender “Kampf des Glaubens”…

Lesung: Am 6,1a.4-7 – Weh den Sorglosen auf dem Zion und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samaria. Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde und Mastkälber aus dem Stall. Ihr grölt zum Klang der Harfe, ihr wollt Lieder erfinden wie David. Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen, ihr salbt euch mit dem feinsten Öl und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs. Darum müssen sie jetzt in die Verbannung, allen Verbannten voran. Das Fest der Faulenzer ist nun vorbei.

Lesung: 1 Tim 6,11-16 – Du aber, ein Mann Gottes, flieh vor all dem. Strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast. Ich gebiete dir bei Gott, von dem alles Leben kommt, und bei Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat und als Zeuge dafür eingetreten ist: Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn, das zur vorherbestimmten Zeit herbeiführen wird der selige und einzige Herrscher, der König der Könige und Herr der Herren, der allein die Unsterblichkeit besitzt, der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag: Ihm gebührt Ehre und ewige Macht. Amen.

Evangelium: Lukas 16,19-31 – [In jener Zeit sprach Jesus:] Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Liturgische Texte des Tages


Pfarrbrief 2013/10

Der neue Pfarrbrief ist da – die Highlights: Einladung zur Teilnahme an den Rosenkranz-Gebeten, die Frauengemeinschaft St. Pius besucht den Früchteteppich in Sargenzell; ökumenischer Seniorennachmittag auf der Q-Alm (mit Segnung der Anlage und des Kreuzes); die Seniorengemeinschaft St. Antonius feiert in der Wendelinusfestwoche einen Gottesdienst in Steinhaus mit; KREUZ & quer treten in St. Pius auf; Kollekten-Information; Lass dein Singen Kreise ziehen! (Einladung in den Vorsängerkreis St. Pius/St. Antonius); Bericht: Ausflug der neuen Schulanfänger aus der Kita St. Michael; Bericht: Maria Himmelfahrt; Einladung zum ökumenischen Frauenfrühstück; Kirmes in Künzell; Gedanken zu Erntedank; Einladungen zur Kinderkirche, zum Chor, in die Bücherei und zum Bibelgesprächskreis, Pastoralverbundsblatt, dazu das gesamte Gottesdienstprogramm und Kontakt-Infos.

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Anschreiben 2013/10

Liebe Pfarrgemeinde!

Erntedank feiern wir in diesen Tagen – da kommt mir ein reifer Apfel in den Sinn. Um heutzutage ein richtiger Apfel zu sein, da muss man schon ganz schön was leisten. Die Zeiten sind vorbei, wo man so einfach vor sich hin wachsen konnte. Heute ist man nur dann ein richtiger Apfel, wenn man die richtige Leistung bringt, die europäische Norm erfüllt, die eine Größe von 75 bis 85 Millimeter vorsieht, man hat gefälligst die richtige Farbe aufzuweisen. Und ‚schön‘ muss man natürlich auch noch sein. Und dann steht man dann als Käufer im Lebensmittelgeschäft: Und tatsächlich, ein Apfel sieht wie der andere aus, schön, nett – nur, schmecken tun sie oft nicht mehr, diese DIN-Äpfel.

Und es geht heute nicht nur den Äpfeln so: Überall in unserer Gesellschaft ist Leistung gefragt. Überall geht es um die Erfüllung von Standards, um die Einhaltung von Normen. Geht es doch heute fast in jedem Beruf um ‚Qualitätssicherung‘.

So fordert Jesus uns auch auf, ‚Frucht zu bringen‘ (Johannes 15,16). Diese Aufforderung versteht nur der richtig, der einen Blick in die Natur wirft. Denn um Frucht zu bringen bedarf es vorher einer langen Zeit des Wachsens. – Und so steht da die Frage: ‚Wie bist du mit deinem Leben umgegangen? Hast du das, was dir anvertraut worden ist in rechter Weise eingesetzt‘? Gott möchte dabei nicht unsere Leistung sondern er möchte die Frucht unseres Seins, er möchte nicht unsere makellose Schönheit sondern liebt uns gerade wegen unserer Dellen und braunen Flecken und all dem, womit wir eben nicht der DIN-Norm entsprechen.

Und genau das feiern wir an Erntedank. Ich bin mir sicher, dass wir nicht irgendwelchen DIN-Normen entsprechen müssen sondern dass wir Geschmack haben dürfen an dieser Welt, Geschmack sein dürfen in dieser Welt, Salz sein dürfen und sollen – und dass all das, was uns geschenkt wird, zugleich Herausforderung ist, die Herausforderung zum Leben. Und manchmal sind es eben auch unbequeme Fragen, die zum Leben herausfordern.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein Gesegnetes Erntedankfest und einen gesegneten Ernte- und Herbstmonat Oktober.

Ihr Pfarrer
Rudolf Liebig

Bei der Wahrheit bleiben

Bei der Wahrheit zu bleiben ist dieser Tage nicht leicht, in dem der Schein nicht selten mehr zählt als das sein. Die Armut ist keine Tugend und der Reichtum kein Laster. Aber die Sucht, reicher und noch reicher zu werden, schafft nicht nur soziale Konflikte; sie verdirbt den Menschen. Der Mensch ist wie ein tiefer Brunnen, er kann sich nur von seinem Grund her füllen. Auf dem Grund, in der tiefen Mitte des Menschen, geschieht Gottes Gegenwart. Er ist die Fülle, er ist die Wahrheit. Bei ihr wollen wir bleiben: “Das Gute nicht tun heißt dem Bösen Raum geben, in sich selbst und in der Welt. In den Leerraum, der entsteht, wenn wir ein Werk nicht tun, das die Brüderlichkeit erfordert und das Gott getan haben will, stürzen sich alsbald die Mächte des Bösen. Denn es gibt keine neutrale Zone, es gibt nur Licht oder Finsternis.” (H. Spaemann) – Gedanken angelehnt an Pfarrer Liebigs Predigt und das Schott Messbuch zum heutigen Tag.

Evangelium: Lukas 16,1-13 – [In jener Zeit] sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch – ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib „fünfzig“. Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib „achtzig“. Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Liturgische Texte des Tages


Von der Sehnsucht zur Solidarität

“Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch” (Augustinus), “Christ ist einer der Ausschau hält nach Christus” (John Henry Newman), “Tausend Ängste können unsere Hoffnung nicht zerstören” (Johannes XXIII): Aus der Sehnsucht des barmherzigen Vaters im heutigen Evangelium und diesen drei Worten entwickelt Weihbischof Karlheinz Diez in seiner Predigt Ermutigung und Zuspruch zu der wichtigen Solidaritäts-Arbeit der KAB: Gott, der in der Menschwerdung seine Sehnsucht nach dem Menschen unüberbietbar ausgedrückt hat, eine Tür offen zu halten, ist ungebrochen aktueller Auftrag nicht nur für die Verbände, sondern für alle Gläubigen. Dies geschieht auch darin, Stimme zu sein für alle, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. Der ältere Sohn aus dem Evangelium steht für unsolidarisches Verhalten, er kennt keine Mitfreude. Dieses Geschenk des Mitfreuen-Können ist Solidarität und eine bleibende Aufgabe.

Evangelium: Lukas 15,1-32 – [In jener Zeit] kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt. Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden.

Liturgische Texte des Tages