Anschreiben 2013/11

Liebe Pfarrgemeinde!

Der Monat November erinnert mich an meine Vorläufigkeit. Und er ist ein entscheidender Gegenpol zu meinem Drang nach Perfektionismus. – Er erinnert mich daran, dass ich auch ‚lassen‘ darf, weil nicht ich der Vollender der Welt bin, sondern weil Gott es ist. Zählt bei Gott doch der gute Wille, das Bemühen, das offene Herz. – ‚Sie war stets bemüht‘ mag in einem Arbeitszeugnis eine vernichtende Beurteilung sein – Gott aber richtet nicht nach Leistung, sondern nach Liebe. So heißt es im Lukasevangelium: ‚Ihr ist viel vergeben, denn sie hat viel geliebt‘! (Lukas 7,47) – Die Erinnerung in diesen novembrigen Tagen auch an die Vorläufigkeit meines Tuns ist für mich ein wichtiges Innehalten – und zugleich Besinnung auf Umkehr und Neuausrichtung hin. – Der November ist wie kein anderer Monat eine Zeit, sich genau das bewusst zu machen: Wenn wir bereit sind, uns erinnern zu lassen, und eben nicht in die Geschäftigkeit des Alltags oder in die verlockenden Sonnenstrahlen des Südens zu flüchten. – Ja – der November zeigt uns allen, dass wir nicht unbedingt perfekt sein müssen und das in der Gewissheit, dass Gott stets den notwendigen Rest hinzufügt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir ein Stück Gelassenheit in diesem Monat November.

Ihr Pfarrer
Rudolf Liebig