Zweiter Advent: Worauf warten wir eigentlich?

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Worauf warten wir eigentlich? – Diese Frage stellte Pfarrer Liebig in das Zentrum seiner heutigen Predigt. Johannes der Täufer rufe uns ungebrochen in die Umkehr und den Wandel unseres Lebens. Zunächst sei diese Umkehr ein Perspektivwechsel weg von der Illusion des Perfekten hin zur Einsicht des Gebrochenseins unserer Welt und uns selbst. Aus dieser Erkenntnis erwachse die Bereitschaft zum Wandel, die es in der Adventszeit wieder zu pflegen gelte. Dabei warteten wir nicht auf irgendetwas, sondern auf Gott, auf seine Menschwerdung ganz unten im Stall von Bethlehem, die wir in unserem Rahmen nachvollziehen und abzubilden versuchen dürfen, indem wir Mensch und vielleicht noch mehr Mensch zu unseren Mitmenschen sind. Dies sei letztlich keine Leistung, sondern Geschenk Gottes, der Wandel folglich eher Tat Gottes als Tat des Menschen. Dennoch könnten wir uns selbst auf den Weg machen, der Tat Gottes entgegengehen im Sakrament der Versöhnung. Zum Gelingen dieses Weges der Buße gibt Pfarrer Liebig schließlich eine Reihe praktischer Tipps, die richtig Lust darauf machen, die nächste Gelegenheit zur Beichte wahrzunehmen…”

Kleine Anleitung zum Sakrament der Versöhnung

  • Mache dir einen Zettel mit zwei Spalten: “Was ich an Gutem unterlassen habe” und “Was ich Böses getan habe”.
  • Prüfe dich und trage die Dinge ein, die dich am meisten bedrücken.
  • Suche dir den Geistlichen deines Vertrauens.
  • Mache dich mit deinem Zettel auf den Weg zu ihm.
  • Ist dir der Beichtstuhl zu dunkel und unpersönlich, bitte den Geistlichen um ein Beichtgespräch.
  • Bitte ihn um Hilfe wenn es dir schwer fällt zu reden oder lange Zeit seit deiner letzten Beichte vergangen ist.
  • Nimm dir vor eine Sache ordentlich zu klären und besser zu machen, nicht alles auf einmal (und nur oberflächlich).

Erste Lesung (Jesaja 11, 1-10): [An jenem Tag] wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig.

Zweite Lesung (Römer 15, 4-9): [Schwestern und Brüder!] Alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit, die Christus Jesus entspricht, damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einträchtig und mit einem Munde preist. Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes. Denn, das sage ich, Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen Diener der Beschnittenen geworden, damit die Verheißungen an die Väter bestätigt werden. Die Heiden aber rühmen Gott um seines Erbarmens willen; es steht ja in der Schrift: Darum will ich dich bekennen unter den Heiden und deinem Namen lobsingen.

Evangelium (Matthäus 3, 1-12): In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften; Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung. Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.

Schott Messbuch zum 8.12.2013