Vierter Fastensonntag 2014: Gott traut dir etwas zu!

"David und Goliath" von Caravaggio, Quelle: http://hadrian6.tumblr.com
“David und Goliath” von Caravaggio, Quelle: http://hadrian6.tumblr.com

Allzu oft lassen wir uns manipulieren und blenden, allzu schnell sind wir dabei, Menschen in fertige Schubladen abzusortieren, aus denen schwer wieder herauszukommen ist. Die Berufungserzählung des jungen Davids setzt dazu eine Art Kontrapunkt. Alle Favoriten auf den Königsthron Israel erweisen sich als unfähig, ausgerechnet der jüngste Sohn Isais ist es schließlich, der von Samuel gesalbt wird. Wird er auch als schön und jung beschrieben, waren doch beides nicht unbedingt von einem König erwartete Eigenschaften. An zentraler Stelle heißt es: “Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.” Genau dieses Herz, dieser wohl noch verborgene Charakter, das Potenzial des jungen Davids sind für Gott Grund, ihn zum König Israels salben zu lassen. Dies gibt uns Hoffnung: Genau wie damals David, so sind es heute wir, denen Gott ins Herz sieht, und uns etwas zumutet, gerade auch wenn wir sonst eher unscheinbar wirken oder in manche Schublade absortiert sind…

Erste Lesung (1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b): [In jenen Tagen] sprach der Herr zu Samuel: Fülle dein Horn mit Öl, und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen. Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem Herrn sein Gesalbter. Der Herr aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der Herr nicht erwählt. Und er fragte Isai: Sind das alle deine Söhne? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin, und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war blond, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der Herr: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des Herrn war über David von diesem Tag an.

Zweite Lesung (Eph 5, 8-14): [Schwestern und Brüder!] Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man muss sich schämen, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden. Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.

Evangelium (Johannes 9,1.6-9.13-17.34-38) [In jener Zeit] sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet. Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Schott – Liturgische Texte des Tages
Aufruf von Bischof Algermissen zur Teilnahme an der Misereor-Fastenspendenaktion 2014

Anschreiben 2014/04

Liebe Pfarrgemeinde!

Der Monat April schenkt uns das Osterfest. Jedoch ist Ostern eigentlich kein Datum, das der liturgische Kalender vorsieht. Ostern ist viel mehr, wenn im Dunkel unserer Welt plötzlich ein Funke aufglimmt, wenn sich Menschen frierend und ein wenig verloren an einem Feuer in der Nacht treffen, wenn Worte erinnern und berühren, wenn man sich hineinnehmen lässt in das Geheimnis von Verwandlung. Ostern geschieht immer dann und dort, wo ein Mensch es wagt sich zu wandeln, dem Leben mehr zu trauen als dem Tod, den entscheidenden Schritt zu tun, die Grenze zu überschreiten, aus dem Grab herauszukommen, den Stein weg zu wälzen, der Versuchung zu widerstehen, liegen zu bleiben. Und das geschieht oft mitten in der Nacht, ganz alleine, mit viel Mut. Und es geschieht oft genug ohne öffentliches Halleluja und ohne Festpredigt. Lassen wir uns von ihm – Jesus Christus – anrühren, wandeln. Ostern muss in mir und dir geschehen – oder es wird nicht geschehen. So geschieht Ostern leise und manchmal fast nicht wahrzunehmen – aber doch unwiderstehlich, weil uns das Leben, die Liebe, Gott ruft… – So wünsche ich uns allen ein gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer
Rudolf Liebig

Pfarrbrief 2014/4

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Dritter Fastensonntag 2014: Für den Glauben trommeln (Lebenswende am Jakobsbrunnen)

"bongo!" von Nestor Villar auf Flickr
“bongo!” von Nestor Villar auf Flickr

Die Begegnung mit Jesus am Jakobsbrunnen führt die Samariterin in eine Art neues Leben. Auch wir sind durch das Evangelium aufgerufen, nicht zu murren, sondern uns kritisch mit unserem Tun, Sein und Sagen auseinanderzusetzen, mit Überflüssigem und Falschem zu brechen und so Platz für Wichtiges, die Überzeugungskraft unseres Glaubens Weiterführendes zu gewinnen, uns umzuorientieren auf Gott hin nach dem Beispiel der Frau am Jakobsbrunnen. Wie sie müssten wir für Christus brennen und glühen, und in dessen Folge auch versuchen, lauter, rhythmischer für unseren Glauben zu trommeln – auch wenn dies nicht immer leicht und populär ist. Besonders konzentrieren sollten wir uns dabei auf unser Tun, unser Hören und Sehen, weil die Erfahrung des Glaubens viel überzeugneder und nachhaltiger wirkt als Versuche, ihn zu erklären……

Erste Lesung (Exodus 17,3-7): [In jenen Tagen] dürstete das Volk nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Zweite Lesung (Römer 5, 1-2.5-8): [Schwestern und Brüder!] Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Evangelium (Johannes 4,5-15.19b-26.39a.40-42) [In jener Zeit] kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte – Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus. Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Schott – Liturgische Texte des Tages