Mit den Augen Jesu sehen

In seiner Predigt fragt Pfarrer Liebig, was es heute heißt, mit den Augen Jesu zu sehen. Einerseits Sanftmut, Geduld und Toleranz, andererseits aber durchaus auch im besten Sinne Kritik- und Streitfähigkeit müssten dort mehr Raum gewinnen, wo unser Wahrnehmen und dessen tätige Deutung durch den Blick Jesu bereichert werde. So bleibe Besessenheit nicht nur Krankheit, sondern werde zur Herausforderung. So bleibe Unrecht nicht nur Leid, sondern werde ebenso zur Herausforderung. So bleibe Andersartigkeit nicht nur Anstößigkeit, sondern werde zur Herausforderung. In diesem Sinne lehre das Sehen durch die Augen Jesu vor allem nicht zu kapitulieren, sondern das zu tun, was Gott wollen und tun würde – und es führe direkt hinein in die Nähe, die Familie Gottes: “Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.”
In der KinderKirche ging es durch szenische Nachstellung um die Paradieserzählung aus der Tageslesung: Was bewegte Adam und Eva, dem Gebot Gottes nicht zu folgen? – “Verbot”, “Verlockung”, “Schwäche” und “Verzicht” wurden so als zentrale Begriffe aus dem Bibeltext heraus erklärt und im Anschluss auf die Gegenwart übertragen, in der es unverändert die Gebote Gottes, aber eben auch Verlockungen und die Möglichkeit einlenkender Schwäche, aber auch des Verzichts gibt. – “Guter Gott, Adam und Eva haben es nicht geschafft, auf dich zu hören. Sie haben gegen deine Weisung gehandelt und nicht beachtet, dass sie das Paradies von dir geschenkt bekommen haben. Auch uns fällt es manchmal schwer, Grenzen einzuhalten. Hilf uns, dass wir immer auf deinen Willen achten, denn du willst nur das Beste für uns. Amen.”
Erste Lesung – Genesis 3,9-15: Nachdem Adam von der Frucht des Baumes gegessen hatte, rief Gott, der Herr, ihm zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.
Zweite Lesung – 2 Korinther 4,13-5,1: Wir haben den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet. Auch wir glauben, und darum reden wir. Denn wir wissen, dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch vor sein Angesicht stellen wird. Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre. Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig. Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.
Evangelium – Markus 3,20-35: [In jener Zeit] ging Jesus in ein Haus, und wieder kamen so viele Menschen zusammen, dass er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten. Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen. Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er ist von Beelzebub besessen; mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen. Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern. Amen, das sage ich euch: Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen. Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen. Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir. Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.

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