Sakrament der Schuld

Unsere allzumenschliche Erfahrung des Schuldigwerdens und dessen Aushalten, so Pfr. Liebig eingangs des Gottesdienstes zum Fünften Fastensonntag 2019, kann als Sakrament gesehen werden, da Gott auch in genau dieser Erfahrung und in diesem Aushalten den Menschen nahe ist. Biblische Beispiele gebe es zuhauf, so den Verlorenen Sohn, den Zöllner, und natürlich auch die Sünderin, die im Tagesevangelium durch die Nähe Gottes gerettet wird. Wieder und immer wieder, so Pfr. Liebig weiter, erweise sich Gott als Gott, der uns nicht fallen lässt: als Gott, der auch dann und gerade dann mit uns zu tun haben will, als Gott der Gnade und Gott des Verzeihens – so dass unser Schuldigwerden und Schuldigsein keine Einbahnstraße bilden, sondern – in letzter Konsequenz durch die Überwindung des Kreuzes – in das Helle erlöster Freude und Erleichterung hinein Ausweg und Auflösung finden…

In der KinderKirche haben wir uns heute mit dem Evangeliumstext beschäftigt. Die Pharisäer bringen eine Ehebrecherin zu Jesus, die gesteinigt werden soll. Steinigungen gibt es bei uns zum Glück nicht mehr. Wir werfen heute nicht mit Steinen auf Menschen, aber manchmal werfen wir mit Worten, die andere verletzen. Das kennen auch schon die Kinder; auch, dass mit dem Finger auf jemanden gezeigt wird und schlecht über sie oder ihn geredet wird. Gemeinsam haben wir überlegt, wie sich die Betroffenen dabei fühlen. Außerdem haben wir festgestellt, dass wir immer, wenn wir mit dem Finger auf jemanden zeigen, mit den drei anderen Fingern automatisch auf uns selber zeigen. Ein interessanter Fingerzeig, auf den uns auch Jesus im Evangelium hinweist: Wir alle sind nicht ohne Fehler. Wenn wir uns das bewusst machen, dann erkennen wir, dass wir kein Recht haben, andere zu verurteilen. Jesus hingegen befreit von der Schuld und gibt die Chance für einen Neuanfang, für ein besseres Leben ohne Sünde. – In der Bastelarbeit haben die Kinder Sandbilder erstellt, in denen sie dargestellt haben, was Jesus in die Erde geschrieben oder gemalt haben könnte.

Erste Lesung (Jesaja 43,16-21): So spricht der Herr, der einen Weg durchs Meer bahnt, einen Pfad durch das gewaltige Wasser, der Wagen und Rosse ausziehen lässt, zusammen mit einem mächtigen Heer; doch sie liegen am Boden und stehen nicht mehr auf, sie sind erloschen und verglüht wie ein Docht. Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste. Die wilden Tiere werden mich preisen, die Schakale und Strauße, denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden.
Zweite Lesung (Philipper 3,8-14): Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.
Evangelium (Johannes 8,1-11): [In jener Zeit] ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Nun, was sagst du? Mit dieser Frage wollten sie ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, ihn zu verklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie seine Antwort gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!