Durch das Scheitern hindurch…

Nachhaltiger Erfolg, so Pfarrer Liebig in seiner Einführung, führt nicht selten über das Scheitern, das nicht Scheitern bleibt, für das man sich schämt, sondern ein Scheitern, das ertragen wird und so durch sich selbst hindurchführt zum Ziel. Ähnlich, so greift er den Faden in der Predigt auf, sei es mit dem aktuellen Zustand der Kirche in Deutschland. Es würden allerorts Experimente gemacht mit organisatorischen und gemeindeübergreifenden Zusammenführungen, doch wäre der Trend des abnehmenden Interesses an der Kirche und der Art und Weise, wie sie das Evangelium verbreitet, ungebrochen. Nachhaltig und konstruktiv im Sinne des Kirchenbauens sei vielmehr das persönliche Gespräch, das individuelle Zeugnis, das gemeinsame Nachdenken über entscheidende Momente im Leben, in denen Gott begegnet, das Bemühen, auch und gerade das Leben und Geschehen in unseren Tagen als gottbegleitetes Leben und Geschehen zu enträtseln, zu begreifen. Gefordert sei also – mit den Worten Bischof Dybas – ein Kampf: sicher kein Kampf im körperlich gewalttätigen Sinne, aber im Sinne des Aufbegehrens gegen einen Wesentliches eindampfenden, undifferenziert gleichmachenden und zunehmend nur noch am eigenen Vorteil ausgerichteten Zeitgeist – ein Kampf dafür, dass das Reich Gottes Wirklichkeit werden kann…
Erste Lesung (Jesaja 66,10-14c): Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert, auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit! Denn so spricht der Herr: Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Ihr werdet das sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün. So offenbart sich die Hand des Herrn an seinen Knechten.
Zweite Lesung (Galater 6,14-18): Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. Denn es gilt weder die Beschneidung etwas noch das Unbeschnittensein, sondern: neue Schöpfung. Friede und Erbarmen komme über alle, die diesem Grundsatz folgen, und über das Israel Gottes. In Zukunft soll mir niemand mehr solche Schwierigkeiten bereiten. Denn ich trage die Leidenszeichen Jesu an meinem Leib. Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit eurem Geist, meine Brüder und Schwestern! Amen.
Evangelium (Lukas 10,1-12.17-20): In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Geht!
Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus! Und wenn dort ein Sohn des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes! Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe! Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag erträglicher ergehen als dieser Stadt. […] Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und sagten voller Freude: Herr, sogar die Dämonen sind uns in deinem Namen untertan. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. Siehe, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über die ganze Macht des Feindes. Nichts wird euch schaden können. Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!