Weinfest 2019: Herausgefordert

“Der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater…” – dass Jesus im Evangelium von Zwietracht sogar im inneren Kreis der Familie nicht nur redet, sondern sagt, dass er diese begründet, so Pfr. Liebig in seiner Predigt am Sonntag des Künzeller Weinfests, erstaunt angesichts einer Gottesvorstellung, die Harmonie und möglichst ungestörte Ruhe überbetont. Am Beispiel des heiligen Franziskus führt er aus, dass diese produktive Zwietracht in verschiedenen Zeiten zu für die Kirche wichtigen Entwicklungen geführt hat. Selbst Papst Franziskus sei im Vatikan nicht unbestritten und somit auch in einem Zusammenhang der Zwietracht. So werde aber auch und gerade uns heute das Evangelium zur herausfordernden Frage: Sind wir bereit, für unseren Glauben zu stehen, einzutreten, konsequent auch gegen Missstände und Probleme vorzugehen?

Erste Lesung (Jeremia 38,4–6.7a.8b–10): [In jenen Tagen] sagten die Beamten zum König: Jeremía muss getötet werden, denn er lähmt die Hände der Krieger, die in dieser Stadt übrig geblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes, wenn er solche Worte zu ihnen redet. Denn dieser Mann sucht nicht Heil für dieses Volk, sondern Unheil. Der König Zidkíja erwiderte: Siehe, er ist in eurer Hand; denn der König vermag nichts gegen euch. Da ergriffen sie Jeremía und warfen ihn in die Zisterne des Königssohns Malkíja, die sich im Wachhof befand; man ließ ihn an Stricken hinunter. In der Zisterne war kein Wasser, sondern nur Schlamm und Jeremía sank in den Schlamm. Der Kuschíter Ébed-Mélech, ein Höfling, sagte zum König: Mein Herr und König, schlecht war alles, was diese Männer dem Propheten Jeremía angetan haben; sie haben ihn in die Zisterne geworfen, damit er dort unten verhungert. Denn es gibt in der Stadt kein Brot mehr. Da befahl der König dem Kuschíter Ébed-Mélech: Nimm dir von hier dreißig Männer mit und zieh den Propheten Jeremía aus der Zisterne herauf, bevor er stirbt.
Zweite Lesung (Henräer 12,1-4): [Schwestern und Brüder!] Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet! Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.
Evangelium (Lukas 12,49-53): [In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:] Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.