Vom Ziel zum Start

Das Evangelium vom allzu selbstsicheren Pharisäer und dem Zöllner, so Pfarrer Liebig in seiner Predigt, ruft uns zur Reflexion über uns selbst auf. In welcher der beiden Figuren finden wir uns wieder? Halten nicht auch wir uns hin und wieder für gut, für gerecht und in diesem Sinne für “ausgereifte” Menschen? Von dem Zöllner am hinteren Ende der Synagoge können wir Selbstkritik und Demut lernen. Im Leben komme es nicht darauf an, Berge zu versetzen und auf diese Weise außergewöhnliche Menschen zu werden, sondern im eigenen Rahmen und in den eigenen Bezügen das für gut und richtig Erkannte konsequent zu tun und sich dabei Erfolge klarzumachen, aber auch Scheitern einzugestehen. So sei das Ziel, das wir hin und wieder erreicht zu haben scheinen, doch nichts anderes als ein Zwischenziel und ein neuer Start…

Erste Lesung (Jesus Sirach 35,15b–17.20–22a): Der Herr ist Richter und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person. Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen, die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören. Er missachtet nicht den Hilferuf der Waise und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet. Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen und seine Bitte dringt bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken, und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet und er lässt nicht nach, bis der Höchste daraufschaut. Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen.
Zweite Lesung (2 Timotheus 4,6–8.16–18): Mein Sohn! Ich werde schon geopfert und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen. Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden. Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Völker sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen und retten in sein himmlisches Reich. Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
Evangelium (Lukas 18,9-14): [In jenen Tagen] erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Gleichnis: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.