Vom Willkommensein

Das Wort Jesu an Zachäus, so Pfarrer Liebig in seiner Predigt, ist das Wort Gottes, das immer wieder neu an uns und alle Menschen ergeht: du bist willkommen – woher du auch kommst, was auch immer du getan und gedacht hast, was auch immer schief gelaufen ist in deinem Leben. Zachäus bringt eine wichtige Voraussetzung mit für das Ankommen dieses Wortes Gottes, nämlich seine Neugier, seine Sehnsucht, sein Sehnen nach Gesehenwerden und sein Sehnen nach Sehen, nach Klarheit, nach neuer und tragfähiger Orientierung. Diese Sehnsucht steht auch uns heute gut an, ebenso die Bereitschaft zur Überprüfung unseres Weges und unserer Lebensrichtung. Und selbst wenn dies nicht gelingt, ist das Entscheidende doch Gottes Liebe, sein Interesse an den Menschen – geht er doch auch entschieden gerade denen hinterher, die nicht damit rechnen und es auch nicht unbedingt erwarten – seine Botschaft damals wie heute: Du bist willkommen!

Erste Lesung (Weisheit 11,22-12,2): [Herr,] die ganze Welt ist ja vor dir wie ein Stäubchen auf der Waage, wie ein Tautropfen, der am Morgen zur Erde fällt. Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie umkehren. Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist. Darum bestrafst du die Sünder nur nach und nach; du mahnst sie und erinnerst sie an ihre Sünden, damit sie sich von der Schlechtigkeit abwenden und an dich glauben, Herr.
Zweite Lesung (2 Thessalonicher 1,11-2,2): [Schwestern und Brüder!] Wir beten immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und das Werk des Glaubens vollende. So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Jesu Christi, des Herrn. Brüder und Schwestern, wir bitten euch hinsichtlich der Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unserer Vereinigung mit ihm: Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, wie wir ihn geschrieben haben sollen, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da!
Evangelium (Lukas 19,1-10): [In jener Zeit] kam Jesus nach Jéricho und ging durch die Stadt. Und siehe, da war ein Mann namens Zachäus; er war der oberste Zollpächter und war reich. Er suchte Jesus, um zu sehen, wer er sei, doch er konnte es nicht wegen der Menschenmenge; denn er war klein von Gestalt. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus zu sehen, der dort vorbeikommen musste. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und sagte zu ihm: Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben. Da stieg er schnell herunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Und alle, die das sahen, empörten sich und sagten: Er ist bei einem Sünder eingekehrt. Zachäus aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. Da sagte Jesus zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.