Kreuzweg

Der 1952 von der Künstlerin Agnes Mann geschaffene Kreuzweg kehrte 2018 in aufgefrischter, überarbeiteter und ergänzter Form wieder in die St.-Antonius-Kirche zurück…

Wer war Agnes Mann? – Agnes Mann wurde am 4. Oktober 1907 in Paderborn geboren und ging nach der Lyzeumsreife 1926 als Kunstschülerin in die private Malschule von Hans Karp nach Düsseldorf. Von 1928 bis 1931 folgte eine Ausbildung in der Kranken- und Säuglingspflege. Bis November 1935 übernahm sie in Berlin die Privatpflege einer kranken Dame. In der Hauptstadt lernte sie Ehemann Josef Humer kennen, einen Schriftsteller. Bereits 1935 übersiedelten beide in die Rhön. – Während der Zeit des Nationalsozialismus arbeitete Agnes Mann illustrativ für den Bonifatiusboten. Von 1939 bis 1943 befand sie sich als Krankenschwester im Kriegseinsatz in Polen und Russland, wo sie selbst schwer erkrankte. Nach der Rückkehr in die Rhön starb 1945 ihr Ehemann. Ihren Lebensunterhalt sicherte sie sich zunächst durch Mithilfe in der Landwirtschaft und Herstellung von Kunsthandwerk. – Beim Fuldaer Katholikentag 1954 begegnete die Künstlerin Erzbischof Lorenz Jäger, Paderborn, und Bischof Adolf Bolte, Fulda. Beide gaben ihr Anregung und Hilfe zu einem Kunststudium. Über Stationen in Freiburg und Krefeld absolvierte Agnes Mann 1958 die Abschlussprüfung der Werkkunstschule Krefeld. – Wieder in der Rhön, in Poppenhausen-Güntersberg, schuf die „spätberufene Künstlerin“ in ihrem Atelier zahlreiche Arbeiten für den kirchlichen Bereich. Agnes Mann persönlich hielt Religion „für etwas ganz Wichtiges, etwas, ohne das Leben kaum möglich ist. Das Leben – unter dem Kreuzweg!“ – Fuldas ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger berichtete im Juli 2008 über seine Begegnungen und seine Korrespondenz mit der aus Paderborn stammenden Wahl-Rodholzerin, die in Güntersberg lebte und arbeitete. Er charakterisierte Agnes Mann als eine sehr begabte Künstlerin, die viele Techniken der bildenden Kunst beherrscht habe und als eine sehr gläubige Frau, deren Arbeiten vor allem „die Dimension des Göttlichen durchziehe“.

Restauration, Überarbeitung und Ergänzung: Der Künstlerin Ingrid Moll-Horstman aus Paderborn ist es gelungen, im Wechsel von klaren und unterschiedlichen Weißtönen diese Stelen in Korrespondenz mit den Bildern von Agnes Mann zu bringen. – Die Stelen wurden von der Glasmalerei Peters in Paderborn mit Sandstrahlung bearbeitet, wodurch die weißen Farbtöne entstanden. – Ein blasses Gelb zieht sich markant durch die sonst dunkel gehaltenen Bilder von Agnes Mann. Deshalb findet sich in Fortführung dieses Gedankens die Farbe Gelb ab der 10. Station in den neuen, von der Künstlerin Ingrid Moll-Horstmann 2018 geschaffenen, liegend rechteckigen und im unteren Bereich der Stelen angebrachten Scheiben, als Auferstehungsgedanken wieder. – Das jeweilige Motiv soll jede einzelne Station des Kreuzweges auf die heutige Zeit hin neu interpretieren. – Eine neue 15. Station soll mit ihrem hellen Licht den Auferstehungsmorgen symbolisieren. Drei Grundgedanken prägen die erwähnten Motive: Der Dornenzweig, der Weg und der Berg.

  • Dornenzweig: Eine Pflanze bildet Dornen zu ihrem Schutz und es sind eigentlich ‚umgebildete Blätter‘. Und da Dornen biegbar sind, erinnern die dornigen Zweige an die Dornenkrone Jesu. Beim Kreuzweg hat man Jesus eine Dornenkrone aufgesetzt, weil er sagte: ‚Er sei der König der Juden‘. Und weil man ihm Schmerzen bereiten wollte, musste die Krone eine Dornenkrone sein.
  • Weg: Nach christlichem Verständnis sind wir davon überzeugt, dass ‚Gott uns den Weg führt‘ und dass er das Ziel des Weges ist. Sagt doch Jesus von sich selbst: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Vgl. Joh 14,6). – So soll der (Kreuz-)‚weg‘ die Länge des Leidens zum Ausdruck bringen. Alle 14 Stationen auf dem Kreuz-‚weg‘ sind Erlebnisse dessen, was der Mensch in seinem Leben erfahren kann. Sind doch dies Situationen, die menschlich sind – positiv wie negativ. Deshalb haben wir jeder Station des Kreuzweges einen Satz der persönlichen Meditation auf die heutige Zeit hin angefügt.
  • Berg: Der ‚Berg’ bezeichnet einen biblischen Begriff. Allgemein betrachtet sind die Berge in der Bibel Zufluchtsstätten von Menschen und Orte der Gottesbegegnung. Hier im Kreuzweg ist die Rede vom Berg ‚Golgota‘ (vgl. Mt 27,33/Mk 15,22/Lk 23,33: ohne Golgota/Joh 19,17). – Der Weg führt zum Berg oder wird im Leben der Menschen zu einem ‚Berg‘.

Drei Grundgedanken nannte Liebig in der Predigt des Segnungsgottesdienstes. Wer verzweifelt sei, dem helfe von einem zu wissen, der Schmerz, Verzweiflung und Gottverlassenheit kenne. Lebensbrüche gebe es bei jedem Menschen. Jesus auf seinem Kreuzweg rufe zu: „Du darfst das Aufstehen nicht vergessen!“ Und: Der Weg zum Berg Golgotha ist schwer, doch ohne Aufstieg geschehe keine Erlösung. Die Kreuzigung werde zum leuchtenden Zeichen der Ewigkeit:

Quellen/Links: (1) Evelyn Schwab/Kirchenzeitung.de(2) Osthessen-News(3) Beitrag zum Segnungs-Gottesdienst am Ersten Fastensonntag 2018 (mit Audio & Predigt-Text)