Nacht der offenen Kirchen

Dass eine Nacht der offenen Kirchen auch inmitten einer Pandemie gelingen kann, zeigten die katholischen Pfarrgemeinden St. Antonius Künzell und St. Pius Fulda am vergangenen Samstag. Gottesdienst, Meditation, Erbauung, Musik und Anbetung fanden Raum in den gut belüfteten und festlich geschmückten, kerzenlichterfüllten  Kirchen. – Hier unser Bericht samt Fotostrecke (30 Aufnahmen)…

In seiner Predigt ging Pfarrer Liebig dem nachvollziehbaren Bedürfnis vieler Menschen nach, auch lange Zeit nach einer zumindest gefühlten Ungerechtigkeit nachtragend und verbittert zu sein – und hielt dieser Einstellung den Aufruf Jesu entgegen, nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal, also prinzipiell ohne Grenze zu verzeihen.

“Was ist Gerechtigkeit?” fragten zeitgleich auch Gemeindereferent Steffen Büdel und Gerlinde Falkowski in der Wort-Gottes-Feier in St. Antonius. Gerecht, so der zentrale Gedanke, bedeutet nicht “für alle das Gleiche”, sondern muss von Fall zu Fall neu bedacht, abgewogen und – nicht selten im komplexen Kompromiss – entschieden werden. Das Tagesevangelium bestätigt diese Erkenntnis und mahnt davor, gerade die eigene Vergebungsbereitschaft von Voraussetzungen und Gegenleistungen, sogar auch schon von der Erwartung von Einsicht und Bedauern abhängig zu machen: Wenn nicht vergeben wird, leiden alle – manchmal über viel zu lange Zeit. Vergebung, darin trafen sich beide Gottesdienste, ist also niemals falsch oder überschüssig.

In St. Pius ging es sodann um die Patrone unserer Kirchen, Antonius von Padua und Papst Pius X. – In einem packenden und wiederholt auch verblüffenden Rollenspiel wurden prägende Stationen auf den Lebenswegen der beiden Heiligen lebendig durch eine Frauengruppe aus dem Arbeitskreis Liturgie vorgestellt. Dabei wurden nicht nur die nicht zu unterschätzenden Beiträge der beiden zur Kirchengeschichte ihrer je eigenen Zeit und darüber hinaus deutlich, sondern – bei aller Verschiedenheit – auch ein roter Faden, ein gemeinsames, zeitloses Anliegen: alles zu erneuern in Christus – damals wie heute. Der liebevoll und geistreich gestaltete Altar-Raum, gemeinsam gesprochene und gesungene Texte unterstützten die eindrucksvolle Lesung. – Material: AblaufGeschichteHandout.

Mittlerweile wurde es dunkel, so dass auch das nach St. Antonius hinein führende und die Kirche warm erhellende Kerzenlicht seinen Zauber entfaltete. Unter dem Titel “Musik verbindet” gestaltete der Arbeitskreis Jugend gemeinsam mit Nico Zentgraf eine ansprechende Einheit mit instrumentaler wie eingespielter Musik, Gesang und selbstgeschriebenen Texten, die zur Meditation und zur immer wieder neuen Frage führte, wer oder was Gott auch für uns heute sein kann und möchte. “Was, wenn Gott wie einer von uns ist – einsam und auf dem Weg in ein himmlisches Zuhause?”, so die zeitlose Frage des im Zentrum stehenden Oldies “One of us” von Joan Osborne, die uns ganz nahe an Gott heranrücken lässt, uns neue Namen und Beschreibungen für Gott finden lässt. Eingeladen wurde dazu, diesem immer wieder neuen, immer wieder anderen Gott in der Stille und in Anbetung zu begegnen, ihm Fragen zu stellen und sich aufs Neue mit Ihm zu verbinden (Beiträge).

Im Anschluss wurde in St. Pius und St. Antonius das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Beide Kirchen luden zum Verweilen ein – auch durch Einspielung von Taizé-Musik, durch Weihrauch-Duft und ein für diese Nacht der offenen Kirchen zusammengestelltes Heft “Anregung zur Anbetung”.

Parallel dazu fand in der gut besuchten Fatima-Schlucht eine Marienserenade mit bewegenden musikalischen Beiträgen von Elke Götz und Jonas Fischer statt, die – wie schon bei ihrem Besuch im letzten Jahr – Andacht und Begeisterung stifteten.

Den feierlichen Abschluss bildete die Komplet, das Nachtgebet des Christentum, unter Leitung von Pfarrer Liebig in St. Antonius. Zuversichtlich und auf Gott vertrauend gingen die Gläubigen danach in die Nacht – gestärkt und gewiss, dass Gott sie trägt – zu allen Zeiten, auch und gerade inmitten einer Pandemie…

Fotostrecke (30 Aufnahmen)